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Australiens Ureinwohner : Geld allein hilft den Aborigines nicht

Die Situation der Ureinwohner Australiens hat sich in den vergangen 15 Jahren kaum verbessert. Bild: Reuters

Die australische Regierung versucht seit Jahren die Situation der Ureinwohner mit Förderprogrammen zu verbessern. Doch eine Studie zeigt: Den Aborigines geht es heute schlechter als vor 15 Jahren.

          2 Min.

          Seit Jahren versucht Australien, mit Förderprogrammen die Lebenssituation der Aborigines zu verbessern. Doch tatsächlich verschlechtert sich die Lage für die australischen Ureinwohner in manchen Bereichen noch. Eine Kommission der australischen Regierung legte am Donnerstag eine Studie vor, die ein teilweise trostloses Bild zeichnet.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Demnach sei etwa die Zahl der Ureinwohner in den australischen Gefängnissen in den vergangenen 15 Jahren um 77 Prozent gestiegen. Für junge Ureinwohner ist die Wahrscheinlichkeit, im Jugendknast zu landen, immer noch 24 Mal so hoch wie für die übrige Bevölkerung. Psychische Probleme bis hin zu Selbstverletzungen und Selbstmord seien ebenfalls stark angestiegen. Auch Drogen- und Alkoholmissbrauch nehmen weiter zu.

          Wie die Studie feststellt, hielten einige Negativtrends immer noch an, obwohl die Regierung jedes Jahr umgerechnet etwa 21 Milliarden Euro für die Förderung der Ureinwohner ausgebe. Der Journalist Stan Grant, einer der prominentesten Gesichter aus der Reihe der Aborigines in Australien, sprach von einer „Spaltung“ des Landes. Er nannte den Suizid eines nur zehn Jahre alten Aborigine-Mädchens als Beispiel dafür, wie sehr die Ureinwohner immer noch unter Diskriminierung litten. Die Zahl der Selbsttötungen ist unter den Aborigines doppelt so hoch wie bei dem Rest der Bevölkerung. „Wir spenden jährlich Milliarden Dollar für Ureinwohner-Programme, aber wozu? Damit sich ein kleines Mädchen dem Elend ergibt?“, sagte der Journalist in einer Rede.

          Politiker bezeichneten die Studie denn auch als „schockierend und beschämend“. Manche sprechen gar von einer „nationalen Krise“. Ein Problem ist es laut der Produktivitäts-Kommission, die den Report angefertigt hat, dass die wenigsten Förderprogramme auf ihre Wirksamkeit geprüft wurden. So seien von 1000 individuellen Programmen, die mit knapp vier Milliarden Euro zu Buche schlagen, nur 34 Programme gründlich evaluiert worden. Mitarbeiter der Behörde sagten der Presse, nicht nur die australischen Steuerzahler würden „über’s Ohr gehauen“, sondern auch die Ureinwohner, weil sie nicht in der Weise von den Programmen profitierten, wie es sein sollte. Um in Zukunft bessere Resultate zu erzielen, müssten die Maßnahmen besser geprüft werden. 

          Dabei gibt es wenigstens in einigen Bereichen positive Entwicklungen zu vermelden, bei der Kindersterblichkeit, der Lebenserwartung bei den Aussichten auf einen Arbeitsplatz sowie der Schulbildung. Unter dem Strich halten Diskriminierung und Chancenungleichheit aber an. Betroffen sind vor allem die jungen Leute. „Die jungen Ureinwohner blicken mit wenig Hoffnung in die Zukunft“, sagte Senator Patrick Dodson, der selbst zu den Aborigines gehört. „Deshalb haben sie psychische Probleme. Wenn wir keine anderen Wege finden, uns um diese Leute zu kümmern, ist das ein Desaster“, so der Senator.   

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