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Wegen mangelnder Wartung : Mehr als 20 Tote durch Stromausfall in Venezuela

Nachdem die Wasserversorgung in Venezuela zusammengebrochen ist, versuchen Menschen in Caracas, Wasserkanister an einem kleinen Rinnsal zu füllen. Bild: dpa

Nach dem Zusammenbruch der Stromversorgung herrscht in weiten Teilen des Landes Chaos, besonders in den Krankenhäusern. Während die Regierung die Schuld im Ausland sucht, widersprechen Experten.

          Die Versorgungskrise in Venezuela hat nach dem Zusammenbruch der Stromversorgung am Donnerstagabend dramatische Ausmaße angenommen. Weite Teile Venezuelas waren auch am Dienstag ganz oder teilweise ohne Strom. In den Krankenhäusern starben in den vergangenen Tagen nach Angaben von Ärzten bereits über zwanzig Patienten. In vielen Regionen beeinträchtigt der Stromausfall außerdem die Wasserversorgung. In Caracas standen Menschen vor kleinen Rinnsalen Schlange, um an Wasser zu gelangen. Der Treibstoff ist noch knapper geworden, wodurch auch das Transportwesen beeinträchtigt ist, von dem die Versorgung mit Lebensmitteln weitgehend abhängt. In den vergangenen Tagen kam es wiederholt zu Plünderungen. Elektronische Zahlungsmöglichkeiten, auf die die Venezolaner angesichts der Inflation und des Mangels an Bargeld angewiesen sind, funktionieren nur eingeschränkt. Amerikanische Dollar und kolumbianische Pesos stehen nur einer privilegierten Minderheit zur Verfügung.

          Tjerk Brühwiller

          Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Dem Regime von Nicolás Maduro gelang es bisher nicht, die Stromversorgung im Land wiederherzustellen. Die Ursache der Krise liegt im Ausfall des wichtigsten Umspannwerks in Venezuela, das den Strom vom Guri-Staudamm in alle Landesteile verteilt. Der Staudamm deckt achtzig Prozent der Netzversorgung ab. Versuche, den Strom über andere Wege zu verteilen, scheiterten und verursachten weitere Schäden in anderen Umspannwerken. Das Regime erklärte den Ausfall und mit einer Serie von Cyberattacken. Ehemalige Mitarbeiter des staatlichen Strombetreibers und Experten wiesen jedoch darauf hin, dass das ausgeschlossen sei. Vielmehr habe sich der Ausfall abgezeichnet und sei auf die Nachlässigkeit der Regierung im Unterhalt, auf mangelnde Investitionen, Fehlplanung und Korruption zurückzuführen. Fachleute äußerten die Befürchtung, mehrere Turbinen des Guri-Staudamms, der schon in der Vergangenheit Probleme hatte, könnten aufgefallen sein. Sollte das stimmen, dürfte es in Venezuela länger dunkel bleiben.

          Die von der Opposition kontrollierte venezolanische Nationalversammlung rief am Montag den Alarmzustand aus. Die Maßnahme ist für Krisensituationen vorgesehen und überträgt dem Präsidenten Vollmachten in verschiedenen Bereichen. Doch der Schritt bleibt symbolisch. Der von vielen Staaten anerkannte Übergangspräsident Juan Guaidó hat zwar die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, doch die Befehlsgewalt über die Sicherheitskräfte besitzt weiterhin Maduro. Guaidó rief die Bevölkerung dazu auf, ihren Unmut am Dienstag auf die Straße zu tragen. Für die kommenden Tage kündigte die Opposition die „Einnahme“ der Hauptstadt Caracas mit einem Marsch an.

          In der Bevölkerung wurden in den vergangenen Tagen die Rufe nach einem gewaltsamen Umsturz lauter, etwa durch einen Marsch auf den Präsidentenpalast oder eine militärische Intervention aus dem Ausland.

          Washington zieht Botschaftsmitarbeiter ab

          Derweil reagierte Washington auf die chaotischen Zustände in Venezuela. Außenminister Mike Pompeo teilte mit, dass seine Regierung die restlichen Botschaftsmitarbeiter aus Caracas abziehen werde. Er begründete den Schritt sowohl mit der „Verschlechterung der Lage“ als auch damit, dass sich die Anwesenheit von Diplomaten zu einem „Hemmnis für die amerikanische Politik“ entwickelt habe. Pompeo führte nicht aus, was er damit meinte.

          Ende Januar, nach der Anerkennung Juan Guaidós durch Washington, hatte Maduro die amerikanische Regierung aufgefordert, ihre Botschaft zu schließen. Man verständigte sich dann aber darauf, einen Restbestand an Diplomaten im Land zu lassen. Befürchtet Washington nun, dass Caracas die Diplomaten als Geisel nehmen könnte, wenn Guaidó zu seinem Marsch auf Caracas aufbrechen sollte? Pompeo ließ auch Fragen unbeantwortet, ob amerikanische Spezialkräfte die Sicherheit des Übergangspräsidenten gewährleisteten, wie das zeitweise etwa in Afghanistan für Präsident Karzai der Fall gewesen sei.

          Der Außenminister machte das Maduro-Regime sowie die kubanische Regierung für die Eskalation der Lage in Venezuela verantwortlich. Die Venezolaner seien dank Maduros Versprechen eines sozialistischen Paradieses buchstäblich in die Dunkelheit zurückgeworfen worden, sagte er. Hauptverantwortlicher dafür sei die Regierung in Havanna. Kuba sei der wahre Imperialist in Venezuela. Es stelle Sicherheitspersonal für Maduro und seinen Führungszirkel bereit. Elektrizität gebe es im Land aber nicht, dank der Wunder der modernen Ingenieurskunst Kubas, sagte Pompeo sarkastisch. Und es gebe kein Essen dank der kommunistischen Lehensherren aus Havanna. Guaidó seinerseits kündigte die „sofortige Suspendierung“ von Öllieferungen nach Kuba an.

          Pompeo sagte weiter, auch Russland sei für die Krise mitverantwortlich. Moskau schütze das Maduro-Regime und verhindere durch sein Abstimmungsverhalten im UN-Sicherheitsrat, dass Hilfslieferungen ins Land kommen könnten. Russland sei auch für die Desinformationskampagnen in Venezuela verantwortlich.

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