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Europas Verteidigung : Macrons Illusionen

Stolz auf seine Verteidigungsfähigkeit: Präsident Macron am Nationalfeiertag in Paris mit hohen Militärs. Bild: dpa

Frankreichs Präsident wirft der deutschen Verteidigungsministerin eine „historische Fehlinterpretation“ vor, weil sie eine europäische Souveränität ohne Amerikas Schutzschild für eine Illusion hält. Doch Macron irrt.

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          Demnächst wird wieder ein Präsident im Weißen Haus residieren, der Amerikas Allianzen schätzt und seine Verbündeten nicht für Schmarotzer hält: Joe Biden ist Allianzloyalist. Aber bedeutet das, dass die Vereinigten Staaten wie in alten Zeiten den großen Verteidigungsschirm spannen und die Europäer vor allen Übeln schützen wollen? Frankreichs Präsident warnt davor, genau das zu glauben, und dringt auf „strategische Souveränität“ auch in Sachen Verteidigung. Macron hält der deutschen Verteidigungsministerin eine „historische Fehlinterpretation“ vor, weil die wiederum genau das, strategische Unabhängigkeit, für eine Illusion hält – und für gefährlich.

          Das sind die Pole einer Diskussion, die in der Tat grundlegend ist, die aber nicht dogmatisch zu führen ist. Ja, die Europäer müssen mehr für ihre Verteidigung tun. Das ist unbestritten und notwendig. Ja, Amerika ist nicht mehr die Amme wohlhabender Länder. Sicherheit outsourcen und sich selbst aufs Wirtschaften konzentrieren, das funktioniert nicht mehr.

          Doch welchen sicherheitspolitischen Mehrwert sollte eine Abkopplung der Europäer von den Vereinigten Staaten bringen? Die Lehre der Geschichte liegt in der Unteilbarkeit der europäischen und nordamerikanischen Sicherheit. Zu glauben, die Europäer könnten auf absehbare Zeit den Platz der Amerikaner einnehmen, sogar in strategischen Fragen, ist Selbsttäuschung. Das erforderte große Anstrengungen, vor allem politisch. Und Ostmitteleuropa verlässt sich nach wie vor lieber auf Amerika.

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