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Streit um Rentenreform : Gewerkschaft dreht im Süden von Paris den Strom ab

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter des französischen Stromnetzbetreibers Enedis (Archivbild) Bild: AFP

Mehr als 35.000 Menschen südlich von Paris waren am Dienstagmorgen ohne Strom. Die Gewerkschaft CGT soll mutwillig Schaden an einem Umspannwerk verursacht haben. Der Netzbetreiber kündigte rechtliche Schritte an.

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          Aus Protest gegen die Rentenreform hat eine Gewerkschaft den Strom südlich von Paris abgestellt. Gegen 6 Uhr morgens habe jemand mutwillig Schaden an einer Umspannstation angerichtet, teilte der Netzbetreiber Enedis am Dienstagvormittag mit. Rund 35.000 Kunden seien zeitweise ohne Strom gewesen. Betroffen waren die Orte Orly, Rungis, Fresnes, Thiais, Wissous und Antony, wie der Sender Franceinfo berichtete. Auch der Flughafenzug Orlyval war unterbrochen. Der Flughafen Orly selbst war nicht betroffen, weil er an einer eigenen Stromversorgung hängt. 

          Zu der Aktion bekannte sich die Gewerkschaft CGT-Energie. „Damit die Leute über uns sprechen, braucht es Aufmerksamkeit“, sagte Gewerkschaftsfunktionär Sébastien Menesplier Franceinfo. Enedis verurteilte die Aktion aufs Schärfste. Der Netzbetreiber kündigte rechtliche Schritte an. Der Wohnungsminister Julien Denormandie nannte die Aktion „skandalös und unverantwortlich“.

          Die Hardliner-Gewerkschaft CGT lehnt die Rentenreform komplett ab. Bereits in der Vergangenheit war es im Zuge der Proteste zu mutwilligen Stromausfällen gekommen. Die französische Regierung hatte zuletzt ein deutliches Zugeständnis an die Gewerkschaften im Streit um die Reformpläne gemacht. Das führte zu einer weiteren Spaltung. Das Hauptquartier der gemäßigten Gewerkschaft CFDT wurde daraufhin von anderen Gewerkschaften überfallen.

          Unterdessen hat die Regierung angekündigt, 14 seiner Atomreaktoren bis zum Jahr 2035 abzuschalten. Dazu gehöre auch der umstrittene Meiler Fessenheim im Elsass nahe der Grenze zu Deutschland, wie aus am Dienstag bekanntgewordenen Regierungsunterlagen zur Energiepolitik hervorgeht. Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs soll demnach noch in diesem Jahr vom Netz gehen. Atommeiler wie Fessenheim und Cattenom in Frankreich sowie Tihange in Belgien haben wegen ihrer Nähe zu Deutschland auch hierzulande Sorgen vor Atomunfällen genährt.

          Den Unterlagen nach könnte die Regierung den Energiekonzern EDF auffordern, zwei Reaktoren schon früher als geplant abzuschalten. „Wenn bestimmte Bedingungen in Bezug auf die Strompreise und die Entwicklung des europäischen Strommarktes erfüllt sind, könnte die Schließung von zwei weiteren Reaktoren in den Jahren 2025-2026 erfolgen“, hieß es in den Dokumenten. Bislang waren dafür die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen gewesen. Eine Entscheidung darüber solle 2023 getroffen werden. Der vom Staat kontrollierte EDF-Konzern betreibt in Frankreich 58 Atomreaktoren. Die Regierung strebt an, den Anteil der Atomstrom von derzeit 75 bis zum Jahr 2035 auf 50 Prozent zu senken.

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