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Streit um Inselgruppe : Japan beruft Botschafter aus Seoul ab

Premiere: Lee Myung-bak besucht am 10. August als erster südkoreanischer Ministerpräsident Dokdo Bild: dpa

Der Besuch des südkoreanischen Präsidenten Lee auf Dokdo hat in Japan Verärgerung ausgelöst. Die unbewohnte Inselgruppe, zu der Dokdo zählt, beanspruchen beide Länder für sich.

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          Trotz massiver Warnungen aus Japan hat Südkoreas Präsident Lee Myung-bak eine zwischen den beiden ostasiatischen Ländern umstrittene Inselgruppe im Japanischen Meer, das die Koreaner Ostmeer nennen, besucht. Auf der Hauptinsel der Gruppe, die von den Koreanern Dokdo genannt werden, begrüßte Lee am Freitag Angehörige der Küstenwache. „Dokdo ist unser Territorium. Wir müssen es unter strengem Schutz halten“, sagte er.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Fernsehbilder zeigten den Staatspräsidenten, dessen Amtszeit in einigen Monaten endet, vor einem Felsen, auf dem geschrieben stand: Territorium Südkoreas. Es war das erste Mal, dass ein Staatschef Südkoreas die Inselgruppe besuchte, die Japan unter dem Namen Takeshima zu seinem Territorium zählt.

          Eine Insel mit zwei Namen: Südkorea kontrolliert „Dokdo“, aber auch Japan beansprucht „Takeshima“ für sich Bilderstrecke
          Eine Insel mit zwei Namen: Südkorea kontrolliert „Dokdo“, aber auch Japan beansprucht „Takeshima“ für sich :

          Die Regierung in Tokio rief aus Protest gegen Lees Visite umgehend ihren Botschafter aus Seoul zurück. Derzeit sei unklar, wann der Diplomat zurückkehren werde, sagte Außenminister Gemba. Er bestellte zudem den südkoreanischen Botschafter ein, um gegen den Besuch zu protestieren. Japans Regierungschef Yoshihiko Noda bekräftigte, dass die Inselgruppe „historisch und nach internationalem Recht“ japanisches Staatsgebiet sei und missbilligte den Besuch Lees scharf.

          Die unbewohnten Felseninseln werden von Südkorea kontrolliert, aber seit Jahrzehnten auch von Japan beansprucht. Bei dem Streit geht es um zwei größere Vulkanfelsen und mehrere kleine Felseilande, die im Meer zwischen beiden Staaten liegen. Lee steht innenpolitisch derzeit wegen einiger Affären, in die seine Mitarbeiter verwickelt sind, schwer unter Druck. Der Besuch soll ihm wieder mehr Zustimmung bei der Bevölkerung bringen, bei der antijapanische Ressentiments wegen der Besatzungsherrschaft noch sehr lebendig sind. Zudem soll sich Lee enttäuscht über Noda geäußert haben, weil der nicht bereit ist, Japans Verantwortung dafür anzuerkennen, dass Zehntausende Koreanerinnen im Zweiten Weltkrieg als Zwangsprostituierte verschleppt wurden.

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