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Streit um Snowden : Wie ehrt man einen Whistleblower?

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Ehrendoktor oder Freiheitspreis? Wie man Snowdens Enthüllungen honoriert, bleibt an Universitäten und in der Politik umstritten Bild: dpa

Verdient Snowdens Enthüllungswerk akademische Ehren? Die Universität Rostock kann sich darauf nicht einigen. Die FU Berlin ernennt ihn derweil zum Ehrenmitglied.

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          Der akademische Senat der Freien Universität Berlin (FU) hat Edward Snowden zum Ehrenmitglied bestimmt. Nach einer „leidenschaftlichen, aber sachlichen Debatte“ wurde der Antrag, den ein Studierendenvertreter bereits im Februar eingebracht hatte, mit knappem Ergebnis angenommen.

          Es war in der Diskussion nicht nur um die Frage gegangen, ob Snowdens Leistung schon abschließend beurteilt werden könne, in Frage stand auch die Form der Ehrung. Die Ehrenmitgliedschaft an der FU attestiert Snowdens Enthüllungswerk nun die Übereinstimmung mit den Grundsätzen der „Veritas, Iustitia und Veritas“, die in der Satzung der Berliner Universität stehen. Zur Diskussion hatte vorher auch der „Freiheitspreises“ gestanden, dessen Preisträger nicht zwingend mit der FU verbunden sein muss.

          An der Universität Rostock wird dagegen noch hitzig debattiert, ob und welche Ehrung für den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Snowden angemessen wären. In einem Gastbeitrag für die ZEIT sprach sich der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern Lorenz Caffier kürzlich gegen eine Vergabe der Ehrendoktorwürde an den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter aus. Caffier verweist auf die bisherigen Ehrendoktoren der Universität Rostock, unter anderem Albert Einstein und Joachim Gauck. Im Gegensatz zu deren Werk und Wirken lasse sich in Snowdens Handeln „weder ein wissenschaftlicher, noch ein gesellschaftlicher Mehrwert erkennen“. Für IT- und Datenschutzinteressierte stellten die Snowden-Enthüllungen keine Überraschungen da, so der Innenminister weiter. Bei aller Kritik an der geplanten Ehrendoktorvergabe bestritt Caffier aber nicht die Bedeutung Snowdens für die aktuelle Überwachungsdebatte.

          Ähnlich sah es der Rektor der Rostocker Universität. Er hatte das Verfahren zur Ehrendoktorwürde, das die Philosophische Fakultät im Mai in die Wege geleitet hatte, gestoppt und darauf verwiesen, dass die Weitergabe von Daten an die Medien, wie im Falle Snowdens geschehen, keine wissenschaftliche Leistung sei. Der Fakultätsrat hingegen begründet die Verleihung mit der methodisch-analytischen Arbeitsweise Snowdens beim Auswerten der Materialien. Die Beanstandung des Rektors hat der Rat der Philosophischen Fakultät inzwischen zurückgewiesen. Die Vergabe eines Ehrendoktortitels obliegt an der Universität Rostock dem Rat der Fakultät, der Rektor kann etwaige „Rechtsmängel“ beanstanden. Sollte die Angelegenheit nicht universitätsintern geklärt werden können, kann das Landesbildungsministerium eingeschaltet werden.

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