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Weiter keine Einigung : Streit um das „Future Combat Air System“

Modelle des FCAS in Paris am 20. Februar 2020 in Paris Bild: Reuters

Trotz einer Einigung bei der Auftragsteilung zwischen französischen und deutschen Herstellern bleibt die Zukunft des 100-Milliarden-Projekts unsicher. Für Berlin drängt die Zeit.

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          Ungeachtet einer Einigung der französischen und deutschen Hersteller über die Auftragsteilung beim künftigen Kampfflugzeug-System „Future Combat Air System“ (FCAS) bleibt die Zukunft des Projekts weiterhin unsicher, die Finanzierung gefährdet. Deutschland und Frankreich planen ein neuartiges System. Damit wollen sie sowohl international souverän als auch konkurrenzfähig sein. Es soll aus einem neuen Kampfflugzeug, dem „Next Generation Fighter“ (NGF), bestehen, den Drohnen begleiten. Vernetzt wird es mit Kampf- und Aufklärungssystemen am Boden. Von 2040 an soll das FCAS die heutigen Kampfflugzeuge Eurofighter und Rafale ersetzen. Bis 2027 soll ein Prototyp des Kampfflugzeugs fliegen, das dann das modernste der Welt sein soll.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Wegen der immensen Kosten für das System, kalkuliert wird mit 100 Milliarden Euro, sind Deutschland und Frankreich an weiteren Partnern interessiert. Mit Spanien fand sich ein Interessent, der bereits beim Eurofighter, beim Transportflugzeug A400M und beim Hubschrauber „Tiger“ beteiligt ist. Mehr Partner bedeuten allerdings auch höhere Komplexität bei der Abstimmung. Und daran hapert es. Während die rivalisierenden deutschen und französischen Unternehmen sich nun grundsätzlich geeinigt haben, gibt es bei den Triebwerken noch keine Vereinbarung.

          Einerseits haben die drei Länder einen Arbeitsanteil von jeweils einem Drittel vereinbart, andererseits planten die Triebwerkhersteller Safran und die Münchner MTU ein Gemeinschaftsunternehmen, das dann der spanischen Industria de Turbo Propulsores (ITP) einen Unterauftrag geben sollte. Bei den beteiligten deutschen und französischen Firmen handelte es sich um industrielle Schwergewichte, die spanische ITP ist dagegen deutlich kleiner. Dennoch kämpfen die Spanier derzeit um eine Beteiligung auf Augenhöhe, also als vollwertige Partner des Triebwerk-Konsortiums.

          Für Deutschland kommt der Streit ungelegen, denn die Zeit, die Projektfinanzierung noch vor der Bundestagswahl durch das Parlament zu bringen, wird langsam knapp. Dort liegen seit Januar mehr als fünfzig Projekte vor, von der Eurodrohne über das neue Sturmgewehr bis hin zum FCAS. Geplant ist, die nächsten 400 bis 500 Millionen Euro für das Projekt am 23. Juni durch den Ausschuss zu bringen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte dazu vorige Woche bei einem Treffen mit ihrer französischen Kollegin Florence Parly: „Wir beide sind uns vollkommen einig, dass bis Ende April die Arbeiten dazu abgeschlossen sein müssen. Wenn wir von allen industriellen Partnern das Signal bekommen, das ist ein guter Kompromiss, dann werden wir das auch politisch mittragen.“

          Für die Opposition im Bundestag steht das Projekt auf der Kippe. Der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner sagte vorige Woche im Deutschlandfunk, FCAS gebe es „nicht um jeden Preis“. Angesichts absehbarer Einsparverpflichtungen könnte es nach der Wahl zu einer Neubewertung des Projekts kommen. Deshalb will die Ministerin möglichst Fakten schaffen.

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