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Gesetz gegen Homophobie : Ein Angriff auf die Freiheit?

Für gleiche Rechte auch in Italien: Gay Pride Parade 2016 in Mailand Bild: dpa

In Italien streiten Politik und Kirche über ein geplantes Gesetz gegen Hassrede und Homophobie. Das Wort des Papstes hätte Gewicht in dieser Debatte. Doch er schweigt.

          3 Min.

          In Pescara an der Adria wurde Ende Juni ein Pärchen beim Bummel am Strandboulevard von einer Gruppe junger Männer zunächst angepöbelt und dann angegriffen. Zu der brutalen Tat wäre es wohl kaum gekommen, hätte es sich bei den händchenhaltenden Flaneuren nicht um zwei Männer gehandelt, beide philippinischer Abstammung. Eines der Opfer wurde so schwer verletzt, dass bei der Operation seines zertrümmerten Kiefers eine Titanplatte eingesetzt werden musste. Bei den teils minderjährigen sieben Angreifern, die fast alle ermittelt werden konnten, handelte es sich nach italienischen Medienberichten um „Kinder aus gutem Hause“, also aus wohlhabenden Familien.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Weil Vorfälle wie jener von Pescara ein Ausfluss von weitverbreiteten Vorurteilen gegenüber Homosexuellen seien, brauche Italien ein Gesetz gegen Homophobie, sagt Alessandro Zan. Der Abgeordnete des sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) aus Padua und bekannte LGBT-Aktivist hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, wonach mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft werden soll, wer Hassrede gegen Menschen wegen deren „Geschlecht, sexueller Orientierung oder sexueller Identifizierung“ verbreitet. Nach gegenwärtiger Rechtslage, so beklagt Zan, seien zwar rassistische Äußerungen in Wort und Bild strafbar. Offen homo- und transphobe Hassreden seien aber als Akt der freien Meinungsäußerung von Strafverfolgung ausgenommen.

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