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Streit über britische Atomflotte : Schottische Rückwärtsverteidigung

Wird Schottland unabhängig? Bild: AFP

Edinburgh will die britische Atomflotte loswerden – und London tobt. Großbritanniens ranghöchster Admiral malt ein düsteres Szenario an die Wand.

          Großbritanniens ranghöchster Admiral wählte ein Bild aus der Seefahrt, um seiner Sorge Ausdruck zu verleihen: Sollte sich ein unabhängiges Schottland aus der gemeinsamen Sicherheitspolitik zurückziehen, sei dies, als löse sich „ein Strang aus einem Tau“, sagte George Zambellas. In der Konsequenz werde dies „die maritime Sicherheit für uns alle im Vereinigten Königreich grundsätzlich verändern und den Kern unser Verteidigungskapazitäten beschädigen“.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Der erste Beitrag eines aktiven Offiziers zur Debatte über das schottische Unabhängigkeitsreferendum im September eröffnet einen neuen Kriegsschauplatz. In den Monaten zuvor hatte die aus London gesteuerte „Better Together“-Kampagne die Schotten mit zwei anderen Themen zu verunsichern versucht: Eine Loslösung vom Königreich bedeute den Abschied vom Pfund Sterling und eine ungewisse Rolle Schottlands in jenen Staatenbündnissen, denen Großbritannien angehört, warnten Politiker und Offizielle, die von der Schottischen Nationalpartei SNP gerne als „Westminster Establishment“ bezeichnet werden.

          „Viele, wenn nicht alle, werden ihren Job verlieren“

          Anders als die Währung oder eine künftige EU-Mitgliedschaft Schottlands bereiten die Folgen einer schottischen Unabhängigkeit für die Sicherheitspolitik der britischen Regierung echtes Kopfzerbrechen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der mit Atomwaffen bestückten „Trident“-Flotte, die im westschottischen Firth of Clyde stationiert ist. Zurzeit sollen es 16 Kriegsschiffe und U-Boote sowie zwei Kommandoeinheiten sein. SNP-Chef Alex Salmond sieht Schottland auch nach einer Unabhängigkeit in der Nato und will britische Stützpunkte behalten, aber er hat seinen Anhängern wiederholt versprochen, die Atom-U-Boote binnen einer Legislaturperiode loszuwerden.

          Militärexperten sehen in einer Verlegung der Flotte in den britischen Süden eine gewaltige logistische Aufgabe. In Kreisen europäischer Militärattachés werden die Kosten auf viele Milliarden Euro geschätzt. Ungewiss sei auch die Zukunft der beiden neuen Flugzeugträger, die in Schottland gebaut werden. Die Royal Navy hat inzwischen damit begonnen, den Schotten ihren Teil der Kosten vor Augen zu führen. Etwa 7000 Arbeiter sind in Faslane und Coulport beschäftigt. „Viele, wenn nicht alle, werden ihren Job verlieren“, schrieb Admiral a.D. Mark Stanhope unlängst an Salmond.

          In dem Brief, der auch von den früheren Chefs der Luftwaffe, der Armee und der Geheimdienste unterschrieben war, wurde überdies vor Salmonds Vorhaben gewarnt, den atomwaffenfreien Status Schottlands in der Verfassung zu verankern. Dies sei „für die Nato nicht hinnehmbar“, hieß es. Aufsehen erregte zur gleichen Zeit eine Rede, die der frühere Nato-Generalsekretär George Robertson in Amerika gehalten hat. Darin bezeichnete er ein Ausscheren Schottlands aus der britischen Sicherheitspolitik als „unheilvoll für die Welt“. In Kürze will Verteidigungsminister Philip Hammond eine Rede in Schottland halten, in der er die „kostbaren Bande“ betont.

          Die SNP zeigt sich in der Nuklearfrage unbeugsam und weiß die Mehrheit der Schotten hinter sich. Als es unlängst Spekulationen gab, London könnte in den Verhandlungen nach einer Unabhängigkeit eine Währungsunion anbieten, wenn Schottland im Gegenzug die Trident-Flotte behält, reagierte Salmond scharf. Die Opposition gegen Nuklearwaffen sei „fundamental“. Am Dienstag bekräftigte ein Militärberater der SNP, dass die Schotten „mehr als fähig“ seien, ihre Sicherheit mit eigenen Streitkräften zu gewährleisten. „Es wäre etwas sehr viel Bescheideneres, mit einem anderen Fokus“, sagte Stuart Crawford, ein früherer Oberst in der britischen Armee.

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