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Streit mit Iran : London kündigt Beweise für Entführung britischer Seeleute an

  • Aktualisiert am

Präsentiert Tony Blair bald Satellitenfotos? Bild: AFP

Der Streit zwischen Großbritannien und Iran über 15 angeblich verschleppte Seeleute wird schärfer. Premier Blair will notfalls Beweise für eine Entführung aus irakischen Hoheitsgewässern vorlegen. Gerüchte über eine militärische Konfrontation trieben kurzfristig den Ölpreis.

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          Das britische Verteidigungsministerium hat ein Gerücht zurückgewiesen, wonach es Soldaten zur Befreiung der verschleppten britischen Seeleute nach Iran entsandt hat. Daran sei absolut nichts Wahres, stellte das Ministerium in London am Mittwoch klar. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten ein anderes Gerücht über einen militärischen Zusammenstoß mit Iran dementiert. Beide Gerüchte hatten dazu beigetragen, dass der Ölpreis am Dienstagabend zeitweise um fünf Dollar auf über 68 Dollar je Barrel stieg. Das war der höchste Stand seit September 2006. Am Mittwoch fiel der Ölpreis wieder auf etwas unter 64 Dollar je Barrel (rund 159 Liter).

          Es war behauptet worden, dass Iran ein amerikanisches Kriegsschiff im Golf angegriffen habe. Ein amerikanischer Militärvertreter sagte jedoch am Dienstag, die Marine könne das Gerücht nach allen vorliegenden Informationen nicht bestätigen. Auch die Regierung teilte mit, nichts deute auf einen militärischen Zwischenfall mit Iran.

          Teheran betont Respekt vor internationalem Recht

          In der Auseinandersetzung über die Gefangennahme von 15 britischen Marinesoldaten betonte Irans Regierung, internationales Recht zu respektieren. „Wir werden in dieser Angelegenheit mit Zurückhaltung agieren und die Sache auf der Basis internationaler Regeln lösen“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag in Teheran.

          Die Briten würden mit allem Respekt behandelt. Sobald erste Untersuchungen abgeschlossen seien, könnten britische Diplomaten Kontakt zu ihnen aufnehmen. Der Sprecher wies zugleich „provokative Bemerkungen“ Londons zurück und beschuldigte westliche Medien, „inkompetent“ über den Fall zu berichten.

          Zuvor hatte die Regierung in Teheran Großbritannien vorgeworfen, die Angelegenheit zu „politisieren“. Die Marineangehörigen seien „wegen einer illegalen Aktion festgenommen worden, und deshalb müssen juristische Mittel zum Zuge kommen“, zitierte die Nachrichtenagentur Isna den stellvertretenden Außenminister Mehdi Mostafavi.

          Blair warnt Teheran

          Der britische Premierminister Tony Blair hatte zuvor erklärt, London wolle notfalls in aller Öffentlichkeit eindeutige Beweise dafür vorlegen, dass Iran die Seeleute aus irakischen Hoheitsgewässern entführt habe. „Wir haben bislang nicht ausdrücklich erklärt, warum wir das wissen, weil wir die Sache nicht eskalieren wollten“, sagte Blairs Sprecher am Dienstag in London. „Wir könnten aber an den Punkt geraten, wo wir deutlicher werden.“

          Blair sagte, Irans Regierung müsse „begreifen, dass wir keine Situation haben können, wo unsere Soldaten und Soldatinnen gefangengenommen werden, wenn sie ganz klar mit einem UN-Mandat in irakischen Hoheitsgewässern sind“. Großbritannien bemühe sich allerdings noch, „auf diplomatischen Kanälen verständlich zu machen, dass diese Leute freigelassen werden müssen und dass es keine Rechtfertigung dafür gibt, sie weiter gefangenzuhalten“.

          „Wissen nicht, wo sie festgehalten werden“

          London hat nach eigenen Angaben noch immer keine Informationen über den Aufenthaltsort der Seeleute. „Bislang hat uns die iranische Regierung nicht gesagt, wo sie festgehalten werden“, sagte Außenministerin Margaret Beckett am Dienstag während eines Türkei-Besuchs in Ankara.

          Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat bei einem Telefongespräch mit dem iranischen Chef-Atomunterhändler Ali Laridschani unter anderem auch über die 15 Briten gesprochen. Über den Inhalt des Gesprächs wurden allerdings keine Angaben gemacht. Die EU fordert die umgehende Freilassung der Seeleute.

          Derweil trat die Familie der einzigen Frau unter den Festgenommenen an die Öffentlichkeit. Sie gab den Namen der Marinesoldatin mit Fay Turney an und sagte, die Gefangennahme der 26 Jahre alten Mutter sei für die Familie eine schwere seelische Belastung.

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