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Streit mit Frankreich : Nur wenige Länder folgen Erdogans Empörung

Verbalattacken gegen Frankreich: Turkey Recep Tayyip Erdogan Bild: AFP

In Bangladesch haben 40.000 Menschen gegen Karikaturen des Propheten demonstriert. Ansonsten hält sich der Protest gegen Frankreich und seinen Präsidenten Macron in Grenzen.

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          In der islamischen Welt sind die Reaktionen auf den Aufruf des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, den islamistischen Extremismus zu bekämpfen und die Meinungsfreiheit zu verteidigen, verhalten ausgefallen. Der türkische Präsident Tayyip Erdogan hatte versucht, sich mit einer scharfen Kritik an Macron und einem Boykottaufruf an die Spitze einer islamischen Empörung zu stellen. Auch ihm folgten nur wenige Regierungen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Iran bestellte den französischen Geschäftsträger ein, um gegen die Beleidigung des Propheten des Islams zu protestieren. Außenminister Mohammad Dschawad Zarif schrieb auf Twitter, Frankreich befeuere den Extremismus. Die Beleidigung der Muslime und des Propheten sei ein opportunistischer Missbrauch der Meinungsfreiheit. Kritik an Macrons Verteidigung von Karikaturen im Rahmen der Meinungsfreiheit äußerten ebenfalls Qatar, Pakistan, Jordanien, Kuweit, Marokko und die Hamas in Gaza.

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          Der größte Protest fand in Bangladesch statt. In der Hauptstadt Dhaka folgten 40.000 Menschen dem Aufruf einer islamistischen Partei. Kleinere Kundgebungen gab es in Istanbul, in Gaza und in der libyschen Hauptstadt Tripolis. In der syrischen Stadt Deir al-Zor wurde die französische Trikolore verbrannt.

          Von den führenden Politikern forderte lediglich Erdogan einen Boykott französischer Waren. In Qatar und Kuweit räumten Einzelhandelsketten Regale mit französischen Produkte leer. In Saudi-Arabien war der Boykott gegen Frankreich in den sozialen Medien ein Thema. Bedeutsamer ist jedoch der Boykott türkischer Produkte, zu dem der saudische Kammerdachverband aufgerufen hat.

          Auffallend ist die saudische Zurückhaltung. Das Außenministerium verurteilte zwar Karikaturen, die den Propheten beleidigten und wies jegliche Verbindung zwischen dem Islam und dem Terrorismus zurück. Muhammad Bin Abd al-Karim al-Issa, einer der ranghöchsten Religionsgelehrten des Königreichs, warnte die Muslime jedoch vor einer Überreaktion. Sie nutze lediglich jenen, die den Islam hassten und sie verschaffe „obskuren Zeichnern“ ohne eigenes Dazutun internationalen Ruhm.

          Der Chef der Muslimischen Weltliga erinnerte an ein Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs vom 25. Oktober 2018, wonach die Beleidigung des Propheten nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei. Die Richter hatten in dem Fall einer Österreicherin geurteilt, die Mohammad einen Pädophilen genannt hatte. Sie waren zu dem Ergebnis gekommen, dass deren Beleidigungen die zulässigen Grenzen einer objektiven Debatte überschritten hätten.

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