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Streit mit Australien : Indonesien fühlt sich mit seinen Asylsuchenden alleingelassen

„Zu Hause ist es gefährlicher als auf dem Boot“

Sie werden stattdessen in Lagern auf der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel, im Inselstaat Nauru und auf der Insel Manus in Papua-Neuguinea interniert. „Es ist uns egal, ob sie uns nach Papua-Neuguinea, Nauru oder Indonesien schicken“, sagt Yassir Hossain. Zu Hause, unweit der Grenze nach Afghanistan, warteten schließlich die Taliban. „Wenn wir zurückgehen, werden wir sterben“, sagt der Pakistaner. Er will sich auch nicht von der Gefahr einer Bootsreise abschrecken lassen. Dabei sind vor der Weihnachtsinsel auch in diesem Jahr wieder Dutzende zu Tode gekommen.

„Zu Hause ist es gefährlicher als auf dem Boot“, sagt Yassir Hossain. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) waren in Indonesien Ende Oktober 8.364 Asylsuchende registriert, die meisten aus Afghanistan, Iran und Burma. Viele von ihnen haben den Schleppern mehrere Tausend Dollar gezahlt, damit sie sie bis nach Jakarta bringen. In Cisarua müssen sie für den Weg nach Australien noch einmal mindestens so viel zahlen.

Das bilaterale Verhältnis ist wichtig für Indonesien

Im ersten Halbjahr sollen so 13.000 Bootsflüchtlinge in Australien eingetroffen sein. Tony Abbott hat deshalb im September seine „Operation Sovereign Borders“ gestartet. Dafür erhoffte sich Australien mehr Entgegenkommen Indonesiens bei der Rückführung von Flüchtlingen. Vor zwei Wochen weigerte sich Jakarta jedoch, 60 Asylanten aufzunehmen, die ein australisches Schiff aufgelesen hatte. Canberras Immigrationsminister fand das „sehr frustrierend“. Hinzu kommt, dass die Beziehungen sowieso störanfällig sind.

In der Zeit der „Konfrontasi“ Mitte der 1960er Jahre kämpften australische Soldaten auf Seiten Malaysias gegen indonesische Soldaten auf Borneo. Indonesiens Kampf gegen die Unabhängigkeit Osttimors hatte ebenfalls für Spannungen gesorgt. Heute ist Indonesien gleichwohl der größte Empfänger australischer Entwicklungshilfe; es gibt eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus. Das bilaterale Verhältnis ist für die Region wichtig: Indonesien ist die größte Volkswirtschaft Südostasiens, Australien der bedeutendste „westliche“ Bündnispartner in Asien.

„Aber sie sollten den Menschen helfen“

Da die Regenzeit schon begonnen hat, sinken derzeit die Chancen für die Flüchtlinge in Cisarua, überhaupt noch auf ein Boot zu gelangen. Bei schlechtem Wetter ist die Fahrt noch gefährlicher. Einige Flüchtlinge hoffen deshalb, Asyl in irgendeinem anderen westlichen Land beantragen zu können. Die Bearbeitung beim UNHCR kann aber bis zu einem Jahr dauern.

Der 27 Jahre alte Ramzan Ali sitzt barfuß in Cisarua auf seinem Bett, neben ihm seine Ehefrau, die 25 Jahre alte Hameeda. Die beiden gehören der ethnischen Minderheit der Hazaras an, die in ihren Siedlungsgebieten in Afghanistan und Pakistan verfolgt werden. Nachdem im Frühjahr direkt neben Ramzan Alis Laden in der Stadt Quetta eine Bombe explodiert war, hatte ihn seine Mutter zur Flucht gedrängt.

Über Dubai, Sri Lanka und Malaysia kamen er und seine Frau nach Indonesien. Für 150 Dollar im Monat mieten sie nun ein kleines Zimmer. Es ist sauber und ordentlich, weil Hameeda dreimal am Tag den Boden fegt. Das Paar hat sich aus Sicherheitsgründen dagegen entschieden, die Überfahrt mit dem Boot zu versuchen.

Er habe schon von der neuen australischen Politik gehört, wonach keine Bootsflüchtlinge mehr aufgenommen würden. „Aber sie sollten den Menschen helfen“, sagt Ramzan Ali. Die Hoffnung, in Australien aufgenommen zu werden, hat das Ehepaar allerdings ebenfalls aufgegeben. „Vielleicht Kanada“, sagt Ramzan Ali, „dort ist es nicht so heiß.“

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