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Strategiewechsel : Mit dem „Marder“ in die Offensive

Unfreundliche Umgebung: Bundeswehr-Patrouille nahe Feizabad Bild: AP

Alles deutet darauf hin, dass die Bundeswehr in Afghanistan einen grundlegenden Wechsel aus der Defensive in die Offensive vollzogen hat. Zum ersten Mal seit Einführung in die Truppe 1979 setzt die Armee ihren Schützenpanzer „Marder“ im Gefecht ein.

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          In der Umgebung von Kundus im Norden des Landes dauert die großangelegte Operation afghanischer Sicherheitskräfte, unterstützt von Soldaten der Bundeswehr und anderen Kräften der Afghanistanschutztruppe Isaf an. Allerdings kam es dort zuletzt zu keinen Feuergefechten mehr.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Am Montagabend wurde ein Angriff mit ungelenkten Raketen auf das Feldlager Kundus registriert, bei dem niemand zu Schaden kam. Am Sonntag, zu Beginn der Operation, hatten deutsche Soldaten erstmals im Einsatz Schützenpanzer im Gefecht eingesetzt, die mit ihren Maschinenkanonen Sprengbrandmunition verschossen haben. Zudem wurden erstmals Mörser mit Sprengmunition eingesetzt. Bislang waren die Mörser von der Bundeswehr in Afghanistan nur mit Leuchtmunition eingesetzt worden.

          Robuste Unterstützung

          Noch am Montag waren die Auskünfte über Details der Operation gegen die Aufständische spärlich. Denn das Vorgehen dauerte noch an, und da wollte niemand vor der Zeit Angaben über Zahlen und Ziele machen. Doch deutet alles darauf hin, dass es dort einen grundlegenden Wechsel aus der Defensive in die Offensive gegeben hat. Dabei wurde die Operation von der afghanischen Armee geführt, die auch die meisten Soldaten dazu gestellt hat.

          Doch hat die Bundeswehr dazu sehr robust Unterstützung geleistet - erstmals auch mit ihren Schützenpanzern „Marder“. Die militärische Dimension ging jedoch zunächst unter, weil sich dabei auch ein tragischer Zwischenfall ereignete, als deutsche Soldaten einen Jugendlichen erschossen, der selbst anscheinend nichts mit den Angreifern zu tun hatte. Der Vorfall ereignete sich an einer Auffangstellung westlich der Ortschaft Chahar Dara (Chardara), in der die deutschen Soldaten die Operation abgesichert haben.

          „Die Soldaten mussten von einem Angriff ausgehen“

          Nach Bundeswehrangaben fuhr ein Kleintransporter mit offener Ladefläche, ein sogenannter Pickup, mit hoher Geschwindigkeit auf die Stellung zu. Die Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben, doch das Auto sei weitergefahren. Daraufhin gingen die Soldaten von einem Angriff aus und schossen mit Maschinengewehren. Dabei wurde der Jugendliche getötet und zwei weitere erwachsene Männer schwer verletzt. Eine Person sei unverletzt geblieben, eine weitere sei geflohen, hieß es.

          Die beiden Schwerverletzten seien im Regionalen Wiederaufbauteam (PRT) Kundus medizinisch versorgt und zur weiteren Behandlung nach Mazar-e Sharif ausgeflogen worden, wo deutsche Sanitäter ein Feldkrankenhaus betreiben. Die Bundeswehr setzte sich mit den Angehörigen des Getöteten in Verbindung.

          Nach vorläufiger Bewertung der Bundeswehr „mussten die Soldaten von einem Angriff ausgehen, so dass der Schusswaffengebrauch auf der Grundlage bestehender Einsatzregeln rechtmäßig erfolgte“. Erste Meldungen vom Sonntag abend, wonach bei dem Vorfall zwei Personen getötet worden seien, hätten auf einem Irrtum beruht, hieß es.

          Die Deutsche Presse-Agentur zitierte den Gouverneur der Provinz Kundus mit der Behauptung, die Deutschen hätten Geheimdienstinformationen gehabt, wonach Talibankämpfer in einem „zivilen Fahrzeug unterwegs seien“. Nach dem Beschuss hätten die Soldaten erkannt, „dass die bewaffneten Taliban vor dem Checkpoint den Wagen verlassen hatten“. Diese Version, wonach also die Taliban die Insassen des Pickup gleichsam als Geisel genommen hätten, konnte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin nicht bestätigen.

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