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Diesmal persönlich anwesend: Oleg Senzow vor dem Europäischen Parlament in Straßburg Bild: AFP

Menschenrechtspreis für Senzow : „Putin ist nicht zu trauen“

Filmemacher Senzow hat eine lange Zeit der Haft in Sibirien hinter sich. Im September kam er frei. Der Ukrainer gibt sich weiter kämpferisch und warnt vor Russlands Präsident Putin.

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          Als Oleg Senzow vor einem Jahr mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet wurde, war sein Stuhl leer geblieben. Der ukrainische Regisseur saß in einer Hochsicherheits-Strafkolonie in Sibirien fest. Erst in diesem September kam er frei, als Moskau und Kiew Gefangene austauschten. So konnte er am Dienstag den Menschenrechtspreis persönlich in Straßburg entgegennehmen.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Parlamentspräsident David Sassoli würdigte noch einmal Senzows Leidensbereitschaft: „Der Mut ist keine Qualität des Körpers, sondern des Geistes.“ Senzow hatte 145 Tage im Hungerstreik verbracht und wäre um ein Haar an Unterernährung gestorben. Erst als die Russen ihm mit Zwangsernährung drohten, gab er auf.

          Körperlich wirkte er in guter Verfassung, als er im blauen Anzug vor die Abgeordneten trat. Er nehme den Preis entgegen „für die Aktivisten, die immer noch kämpfen, für unsere Soldaten, die sich für die Unabhängigkeit einsetzen und ihr Leben lassen“, sagte Senzow. Mit leiser Stimme sprach er, aber bestimmt. Eine Botschaft war ihm besonders wichtig: Wladimir Putin sei nicht zu trauen. Der russische Präsident wolle das Donbass an sich reißen und die Ukraine auf die Knie zwingen.

          Der Filmemacher schloss seine kurze Ansprache mit einem eindringlichen Appell: „Jedes Mal, wenn einer von Ihnen darüber nachdenkt, Putin die Hand der Freundschaft zu reichen, denken Sie an die Hunderten Toten bei uns.“ Senzow gehörte zu denen, die 2013 die Euromaidan-Bewegung entfachten und gegen die Abhängigkeit der damaligen Führung von Russland protestierten. Nach der russischen Annexion der Krim organisierte er humanitäre Hilfe für die dort eingeschlossenen ukrainischen Soldaten und ihre Familien. Im Mai 2014 wurde er in Simferopol verhaftet, nach Russland verschleppt, zum russischen Staatsbürger erklärt und in einem Scheinprozess zu zwanzig Jahren Haft verurteilt.

          Der CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler, Berichterstatter für die Ukraine, setzte sich früh für seine Freilassung ein. Er war es auch, der die anderen Fraktionen davon überzeugte, Senzow den Sacharow-Preis zu verleihen, mit dem der Einsatz für die Meinungs- und Gewissensfreiheit gewürdigt wird. Es sei bedenklich, „dass wir immer noch – oder schon wieder – jemandem den Preis geben müssen, der in Russland gefangen gehalten wurde“, sagte Gahler am Dienstag der F.A.Z.

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