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Strafgerichtshof in Den Haag : 25 Jahre Haft für früheren ugandischen Kindersoldaten

Dominic Ongwen am 6. Dezember im Verhandlungssaal des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag Bild: AFP

Der Internationale Strafgerichtshof verurteilt Rebellenführer Dominic Ongwen wegen Morden, Vergewaltigungen, Versklavung und Rekrutierung von Kindersoldaten.

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          Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) hat Dominic Ongwen, einen ehemaligen Kindersoldaten und Kommandeur der Rebellenorganisation Lord’s Resistance Army (LRA) in Uganda, am Donnerstag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bereits im Februar war der 46 Jahre alte Ugander in 61 von 70 Anklagepunkten für schuldig befunden worden. Dazu gehörten Morde, Vergewaltigungen, sexuelle Versklavung und Rekrutierung von Kindersoldaten in den Jahren 2002 bis 2005.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Ongwen war im Alter von etwa neun Jahren von der LRA entführt worden und stieg später zu einem ihrer Anführer auf. Zeugen im Gericht berichteten von entsetzlichen Gräueltaten, zu denen er als Junge zunächst gezwungen wurde und die er später selbst angeordnet und verübt hatte. Die „Widerstandsarmee des Herrn“ wurde vor mehr als 30 Jahren von Joseph Kony im Norden Ugandas gegründet, um gegen die ugandische Regierung unter Yoweri Museveni zu kämpfen. Ihr Ziel war es, einen Gottesstaat auf Basis der Zehn Gebote zu errichten.

          Die Kämpfer töteten, folterten und vertrieben mehr als 100.000 Menschen und verschleppten Zehntausende Kinder. Jungen wurden als Kindersoldaten, Mädchen als Sexsklavinnen missbraucht. Die LRA war zunächst im Norden Ugandas, später auch in Sudan, in Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik aktiv. Zu ihren Hochzeiten war sie eine gutbezahlte Söldnertruppe im sudanesischen Bürgerkrieg. Mittlerweile ist sie weitgehend zerschlagen, von Gründer Kony fehlt jede Spur.

          Bei der Bekanntgabe der Haftstrafe am Donnerstag sagte der ICC-Vorsitzende Bertram Schmitt, dass die Richter Ongwens Brutalität mit seinen eigenen Schreckenserlebnissen als entführter Schuljunge abwägen mussten. Die Kammer sei mit einem Täter konfrontiert, der seinen Opfern vorsätzlich ungeheures Leid zugefügt habe, sagte der deutsche Jurist. Ongwen habe zuvor aber selbst extremes Leid erlitten. Die Opfer der Verbrechen hatten die Höchststrafe von 30 Jahren gefordert, die Verteidigung hatte zehn Jahre beantragt. Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens 20 Jahre als gerechtfertigt bezeichnet.

          Ongwen erschien trotz seiner Bestialität während des Prozesses auch als tragische Figur. Ein Onkel beschrieb ihn als ruhiges und verspieltes Kind. Ein Lehrer sagte, er habe Tanz und Kunst gemocht. Andere nannten ihn im fortgeschrittenen Alter einen unerschrockenen Kämpfer und geschickten Taktiker im Gefecht. Bei der Verkündung des Strafmaßes zeigte Ongwen im Gericht in Den Haag keine Emotionen.

          Der Internationale Strafgerichtshof hatte bereits 2005 einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Im gleichen Jahr gab es Berichte, Ongwen sei getötet worden. Zehn Jahre später ergab er sich den amerikanischen Streitkräften in der Zentralafrikanischen Republik. Die Vereinigten Staaten hatten damals eine Belohnung von fünf Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Der Prozess war im Dezember 2016 eröffnet worden. Er gilt als das bisher umfangreichste Verfahren am ICC. Mehr als 4000 Opfer nahmen daran teil. Ongwen hat bereits Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt und kann auch das Strafmaß anfechten. Sechs Jahre Untersuchungshaft werden auf die Strafe angerechnet.

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