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Stichwahl in Senegal : Wade oder „Wade light“

  • -Aktualisiert am

Wider die Arroganz: Anhänger Macky Salls feiern den Herausforderer des Präsidenten in Dakar. Bild: Vincent Boisot/Riva Press/laif

Am Sonntag wird in Senegal der Präsident gewählt. Der 85 Jahre alte Amtsinhaber Wade und sein Ziehsohn Sall stehen sich in einer Stichwahl gegenüber. Die Opposition unterstützt Sall - Wade hat die wichtigsten Muslimbruderschaften hinter sich.

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          Für Abdoulaye Wade kommt die Stichwahl in Senegal am Sonntag einer doppelten Schmach gleich. Schließlich hatte der 85 Jahre alte Präsident, der sich um eine weitere Amtszeit von sieben Jahren bewirbt, stets getönt, er werde gleich im ersten Durchgang eine Mehrheit gewinnen. Dass er sich nun ausgerechnet gegen Macky Sall wehren muss, macht es noch schlimmer. Sall ist Wades politischer Ziehsohn, einer, von dem der alte Präsident glaubt, er schulde ihm Dankbarkeit und Unterwürfigkeit.

          Daran hat es Sall, der unter Wade auf etlichen Ministerposten bis hinauf zum Ministerpräsidenten diente, bis vor kurzem auch nicht fehlen lassen. Bis zu jenem Dezember im Jahr 2007, als Sall als Parlamentspräsident Karim Wade, den Sohn des Präsidenten, vor das Parlament lud, damit dieser die finanziellen Unregelmäßigkeiten bei der von ihm verantworteten „Nationalen Agentur für die Organisation islamischer Konferenzen“ (Anoci) erkläre. Vater Wade, der Karim längst zu seinem Thronfolger erkoren hatte, hielt das für ungehörig. Fortan war Sall gar nicht mehr wohlgelitten.

          „Kolonialismus!“

          Weite Teile der senegalesischen Bevölkerung stoßen sich mittlerweile an der Machtarroganz, die Wade geradezu zelebriert. Obwohl die Verfassung die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Legislaturperioden beschränkt, kandidierte Wade ein drittes Mal, weil er behauptet, die Bestimmung gelte erst für seine Nachfolger. Kaum hatte eine bekannte Ärztin in Dakar laut die Befähigung des Greises, eine weitere Amtszeit von sieben Jahren durchzustehen, bezweifelt, bekam sie Besuch vom Geheimdienst.

          Als die französische und die amerikanische Regierung Wade von der Notwendigkeit eines Generationen-Wechsels zu überzeugen versuchten, beschimpfte sie der Präsident als Kolonialisten. In Salls Lager gibt man sich deshalb zuversichtlich, die Stichwahl mit rund 60 Prozent zu gewinnen. Der ehemalige Ministerpräsident hat die Unterstützung aller Oppositionsparteien bekommen, einschließlich die des berühmten Musikers Youssou N’Dour. Leicht ist das vielen Oppositionellen nicht gefallen, denen Sall als „Wade light“ gilt.

          Im ersten Durchgang war Sall auf 26,6 Prozent der Stimmen gekommen, während für Wade 34,8 Prozent der Wähler stimmten. 48 Prozent aller Wahlberechtigten waren dem ersten Durchgang aber ferngeblieben, was das Wade-Lager mit der Angst vor Unruhen erklärt, wie sie den gesamten Wahlkampf geprägt hatten. Wade hat sich inzwischen der Unterstützung der Führer beider großer Muslimbruderschaften des Landes versichert, der Bruderschaft der Mouriden und der Bruderschaft der Tidjanen. Ohne sie läuft so gut wie nichts in Senegal, dessen Einwohnerschaft zu 95 Prozent aus Muslimen besteht. Alleine die Bruderschaft der Tidjanen repräsentiert 51 Prozent aller Senegalesen.

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