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Stichwahl in Mississippi : Umstrittene Senatorin setzt sich durch

  • -Aktualisiert am

Erste gewählte Senatorin aus Mississippi: Cindy Hyde-Smith Bild: Reuters

In Mississippi hat Cindy Hyde-Smith trotz ihrer kontroversen Kommentare über Hinrichtungen die Stichwahl zum Senat für sich entschieden. Donald Trump erwies sich wieder einmal als zugkräftiger Wahlkämpfer.

          In Mississippi bleibt politisch alles beim Alten: Republikanerin Cindy Hyde-Smith bleibt Senatorin. Sie gewann die Stichwahl laut dem vorläufigen Ergebnis mit 55,2 Prozent der Stimmen. Ihr demokratischer Konkurrent Mike Espy erreichte 44,8 Prozent. Es war die letzte Entscheidung über einen Senatssitz bei den Midterm-Kongresswahlen. Anfang November hatte kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen gewonnen. Damit sitzen im Senat in Washington nun 53 Republikaner, 45 Demokraten und zwei Unabhängige, die mit den Demokraten stimmen.

          Der Bundesstaat Mississippi ist solide republikanisch; seit 1982 gewann hier kein Demokrat mehr eine Senatswahl. Hyde-Smith war erst seit April 2018 Senatorin, der Gouverneur Phil Bryant hatte sie ernannt, nachdem Vorgänger Thad Cochran zurückgetreten war. Ihre Wahl galt lange als sicher, aber in den vergangenen Wochen hatte die Amtsinhaberin mit selbst geschaffenen Hindernissen zu kämpfen. Sie wurde unter anderem dabei gefilmt, wie sie vor Anhängern in Tupelo über einen Unterstützer sagte: „Wenn er mich zu einer öffentlichen Hinrichtung (Erhängung) einladen würde, wäre ich in der ersten Reihe.“

          Politiker, Bürgerrechtsgruppen und Medien forderten eine Entschuldigung der Senatorin. In Mississippi gab es mehr Opfer von Lynch-Morden als in jedem anderen Bundesstaat; zwischen 1877 und 1950 waren es offiziell mehr als 600 Schwarze; Forscher gehen von einer höheren Dunkelziffer aus. Mehrere Unternehmen, darunter Walmart, verlangten ihre Wahlkampfspenden von Hyde-Smith zurück. Die Senatorin bat um Entschuldigung, sagte aber auch, ihre Bemerkung sei „verdreht“ worden. Ein anderes Video zeigte die Politikerin, wie sie vor einer Gruppe Studenten sagte, es gebe an anderen Colleges „viele Liberale, bei denen wir uns vielleicht gar nicht wünschen, dass sie wählen. Vielleicht wollen wir es nur ein kleines bisschen schwerer machen und ich denke, das ist eine großartige Idee.“ Nachdem Fotos von Hyde-Smith mit Konföderierten-Mütze auftauchten, wurde auch ihr Verhältnis zur Geschichte der Südstaaten diskutiert.

          Die Stichwahl war schon ein Erfolg: Mike Espy mit seiner Frau

          Der Senatorin half bei der Stichwahl am Dienstag letztlich auch ihre große Nähe zum Präsidenten. Im Wahlkampf betonte sie stets, dass sie „zu hundert Prozent” hinter Donald Trump stehe. Sie sprach sich für dessen Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik, ein strengeres Abtreibungsrecht und den Kandidaten Brett Kavanaugh für den Supreme Court aus. Trump belohnte die Kandidatin, die nun die erste gewählte Frau aus Mississippi im Kongress ist, mit zwei Wahlkampfauftritten am Montag. Obwohl das Ergebnis nichts mehr an der republikanischen Mehrheit im Senat ändern konnte, sagte er in Tupelo mit Blick auf die Anführer der Demokraten im Kongress: „Wir können nicht zulassen, dass Nancy Pelosi und Chuck Schumer diesen Sieg umkehren, indem sie Mississippi gewinnen.“ Trump äußerte sich auf einer kleineren Veranstaltung auch zu Hyde-Smith' Kommentar über öffentliche Hinrichtungen. Der Vorfall sei traurig und etwas ungeschickt, aber er wisse, dass die Senatorin um Entschuldigung gebeten und es nicht so gemeint habe: „Ich weiß, wo ihr Herz ist, und ihr Herz ist gut,“ so der Präsident.

          Ungewiss war, wie viele Wähler des dritten Kandidaten Chris McDaniel sich letztlich hinter Hyde-Smith stellen würden. McDaniel hatte den Ausgang der innerparteilichen Vorwahlen nicht akzeptieren wollen, war am 6. November als republikanischer Rebell angetreten und hatte 16 Prozent der Stimmen errungen. Die Demokraten hofften, dass ein Teil der Unterstützer von Hyde-Smith' konservativem Widersacher bei der Stichwahl zu Hause bleiben würden – und dass es ihnen selbst gelingen würde, eine große Zahl afroamerikanischer Wähler zu mobilisieren. Fast 40 Prozent der Wähler im Staat sind schwarz, und die meisten wählen die Demokraten. Mit 40,9 Prozent der Stimmen hatte Mike Espy Anfang November ein gutes Ergebnis erreicht – für die Stichwahl sollte nun alles auf die Mobilisierung ankommen. Vorbild war die Kampagne von Doug Jones in Alabama, dem es im vergangenen Jahr bei einer Senats-Nachwahl gelungen war, den Republikaner Roy Moore zu schlagen.

          Doch Moore war von mehreren Frauen vorgeworfen worden, er habe sie als Teenager sexuell belästigt. Dadurch wandten sich auch zu viele weiße Wähler in größeren Vorstädten von Moore ab. Angeblich scherzhaft gemeinte Kommentare über öffentliche Hinrichtungen und Hyde-Smith' unkritisches Verhältnis zur Geschichte der Südstaaten bargen in Mississippi am Ende kein vergleichbares Konfliktpotential.

          Mike Espy, der unter Präsident Bill Clinton Landwirtschaftsminister war, gelang es letztlich nicht, die Wähler zu begeistern. Sam Hall von der regionalen Zeitung „Clarion Ledger“ sagte bei CNN, Espy sei als Kandidat nicht mitreißend genug gewesen. „Er hat eine solide, glaubhafte Kampagne abgeliefert, aber das allein reicht nicht, wenn man als Demokrat in Mississippi eine Chance haben will.“ Espys Kampagne setzte in den vergangenen Tagen vor allem auf die Kritik an Hyde-Smith. Die Senatorin habe den Staat mit ihren Bemerkungen blamiert, hieß es in TV-Werbespots. Die Demokraten gaben für die Stichwahl zusätzlich 1,2 Millionen Dollar aus, die Republikaner vier Millionen. Eine Überraschung wie in Alabama wollte man unbedingt vermeiden.

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