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Journalist im Gespräch : Wie die Pressefreiheit in Hongkong stirbt

Letzte Ausgabe: Hongkonger Bürger stehen im Juni Schlange, um noch einmal die Zeitung Apple Daily zu kaufen. Bild: EPA

Der britische Journalist Steve Vines hat Hongkong aus Angst verlassen. Er sagt von sich: „Ich bin ein professioneller Pessimist.“ Aber er habe nie gedacht, dass sich Hongkong derart schnell in ein autoritäres System verwandelt.

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          Als beim Hongkonger öffentlich-rechtlichen Sender RTHK im März der Intendant ausgetauscht wurde, dauerte es nicht lange, bis sich das im Programm niederschlug. „Das war sofort spürbar, vom ersten Tag an wurden Anweisungen gegeben. Es gab keine Redaktionskonferenzen mehr“, sagt Steve Vines, der jahrelang das Politmagazin „The Pulse“ für den Sender moderiert hat. 35 Jahre hat der britische Journalist in Hongkong gelebt. Vor zwei Wochen hat er die Stadt aus Angst um seine eigene Sicherheit verlassen. Davor hatte er die Gleichschaltung von RTHK miterlebt und die Einstellung seiner Sendung „The Pulse“.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Noch im April gehörte Vines zu den Leuten, die dafür plädierten, zu bleiben. Gehen oder bleiben, solche Diskussionen werden in Hongkong seit der Einführung des „Sicherheitsgesetzes“ am 1. Juli 2020 ständig geführt. „Ich hatte das Gefühl, dass da noch immer Raum ist, wenn auch nicht viel, und dass Leute, die sich Hongkong und der Medienfreiheit verpflichtet fühlen, diesen Raum nutzen sollten, statt ihn preiszugeben.“

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