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Konservative Kaderschmiede : Italienisches Gericht wirft Bannon aus Kloster

Steve Bannon im März 2019 in Rom Bild: AFP

In der italienischen Abtei Trisulti möchte Steve Bannon eine konservative Denkfabrik einrichten. Das will der Staat verhindern. Nach sieben gerichtlichen Niederlagen bekommt er nun erstmals recht.

          2 Min.

          Der Rechtsstreit um die geplante Denkfabrik des früheren Trump-Beraters Steve Bannon in der ehemaligen Abtei Trisulti nahe Collepardo, etwa hundert Kilometer südöstlich von Rom gelegen, geht in die nächste Runde. Am Montag hatte das Oberste Verwaltungsgericht in Rom entschieden, die Stiftung „Dignitatis Humanae Institute“ (DHI) müsse die denkmalgeschützten Gebäude des einstigen Zisterzienser-Klosters räumen. Damit wurden mehrere Urteile niedrigerer Instanzen kassiert, wonach der vom DHI mit dem italienischen Kulturministerium als treuhänderischem Verwalter der Gebäude geschlossene Pachtvertrag vom Februar 2018 rechtmäßig sei.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          In einer ersten Reaktion bezeichnete Bannon den Richterspruch als „einen Witz“ und versicherte, man werde gegen das Urteil in Berufung gehen. Das DHI hatte in allen sieben vorhergehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Nutzung der Gebäude Recht bekommen. „Wir lassen uns nicht von der korrupten Bürokratie stoppen, die das italienische Regierungssystem unterwandert und dem italienischen Volk Schaden zufügt“, sagte Bannon nach Angaben amerikanischer Nachrichtenagenturen vom Montagabend: „Trisulti ist ein Schatz der italienischen Kultur, und wir werden weiter für ihn kämpfen.“

          100.000 Euro Jahrespacht

          Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses zwischen dem DHI und der Regierung in Rom vom Februar 2018 war der sozialdemokratische Politiker Dario Franceschini Kulturminister. Franceschini leitet das Ressort, nach gut anderthalbjähriger Unterbrechung, seit September 2019 abermals. Im Juni 2019 hatte das Kulturministerium in Rom den Pachtvertrag mit dem DHI für ungültig erklärt.

          Anstoß hatte der damalige Kulturminister Alberto Bonisoli von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung an den Plänen Bannons genommen, in Trisulti eine Kaderschmiede für künftige rechtskonservative Führungskräfte einzurichten. Zur Begründung hatte es geheißen, das DHI habe die Ausschreibung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gewonnen. Bannon und das DHI weisen die Vorwürfe als haltlos zurück und bestehen auf der Einhaltung des Vertrags.

          Ziel des DHI ist gemäß Stiftungssatzung die „Verteidigung der jüdisch-christlichen Fundamente der westlichen Zivilisation im Lichte der Erkenntnis des Menschen als Bild und Ebenbild Gottes“. Zum Beirat des DHI zählen mehrere konservative Kardinäle, unter ihnen der Deutsche Walter Brandmüller. Der angekündigte Beginn des Akademiebetriebs in dem abgelegenen Klostergebäude erfolgte bisher nicht.

          Die Abtei Trisulti im Mai 2019
          Die Abtei Trisulti im Mai 2019 : Bild: AFP

          Das DHI wurde im Dezember 2008 in Brüssel gegründet. Geschäftsführer ist bis heute der Brite Benjamin Harnwell, der als einer der wichtigsten Vertrauten Bannons in Europa gilt. Das DHI ist auch in Italien als gemeinnützige Stiftung registriert und anerkannt. Als Jahrespacht führt das DHI 100.000 Euro an den italienischen Staat ab. Der Vertrag für die Nutzung der Abtei wurde für eine Dauer von zunächst 19 Jahren geschlossen. Das DHI hat zudem zugesagt, die renovierungsbedürftige Klosteranlage mit eigenen Mitteln in Stand zu setzen.

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          Die Abtei Trisulti wurde vor gut tausend Jahren von dem Benediktinermönch Dominikus von Sora gestiftet. 1204 wurde die ursprüngliche Einsiedelei, deren Ruinen noch heute zu sehen sind, von den Kartäusern übernommen und neu aufgebaut. Über die Jahrhunderte wuchs sich die Kartause von Trisulti zu einem immer mächtigeren Komplex. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage schließlich zu jenem gotisch-barocken Klotz mit Zellen für bis zu 300 Mönche ausgebaut, der bis heute inmitten eines dichten Waldes über einer Schlucht thront. Seinen vorerst letzten Ordenswechsel erlebte das Kloster 1947, als es von den Zisterziensern übernommen wurde.

          Das Kloster verfügt über eine wertvolle Bibliothek mit 36.000 Bänden, dazu eine Apotheke aus dem 18. Jahrhundert und einen botanischen Garten. Seit 1873 ist das Kloster als nationales Denkmal geschützt, die bedeutende Büchersammlung wurde zur Staatsbibliothek deklariert. Treuhänderischer Verwalter der Anlage ist das Kulturministerium in Rom.

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