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Steve Bannon angeklagt : Doch kein Kämpfer für die kleinen Leute

  • -Aktualisiert am

Harsche Kritik an Wall Street und den Republikanern

Bannon schimpfte am Donnerstag, die Anklage sei ein „Fiasco“ und nur dazu gedacht, die Menschen vom Bau der Mauer abzuhalten. Den Anhängern von Trump hatte er stets vor allem eine Botschaft verkaufen wollen: Dass er und der Immobilienunternehmer für den „kleinen Mann“ kämpften. Über sein Magazin „Breitbart“ sagte Bannon einmal, er und seine Kollegen dort verstünden sich als „vehement gegen das Establishment gerichtet“ und als Gegner der „politischen Klasse“. Bannon schimpfte auch gern auf die Wall Street, wo er einst für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet hatte. Die Banker hätten den Bailout nach der Finanzkrise 2008 nicht verdient, weil sie sich nur bereichern wollten, sagte Bannon etwa in einem Vortrag im Jahr 2014. Damals warf er auch den Republikanern vor, eine Partei des Establishments und der Gier zu sein, „eine Ansammlung von miteinander unter einer Decke steckenden Kapitalisten, die glauben, dass für sie andere Regeln gelten“.

Trump und Bannon Ende Januar 2017 nach Bannons Vereidigung im Weißem Haus
Trump und Bannon Ende Januar 2017 nach Bannons Vereidigung im Weißem Haus : Bild: AFP

Im September 2017, nachdem er sich mit Trump überworfen und das Weiße Haus verlassen hatte, sagte Bannon in einem Fernsehinterview, dass die neue Regierung sich bald nach der Vereidigung mit eben diesem „Establishment“ verbündet habe. Er selbst dagegen bleibe ein „Straßenkämpfer“. Als Bannon für dessen Buch „Feuer und Zorn“ auch noch ausführlich mit dem Autor Michael Wolff sprach, schien er für Trump endgültig unten durch zu sein. Der Präsident bezeichnete seinen ehemaligen Vertrauten als „verrückt geworden“, auch prominente Unterstützer wie der Milliardär Robert Mercer wandten sich von ihm ab.

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Diese Konflikte kamen Trump nun gelegen, als er sich am Donnerstag über die rechtlichen Schwierigkeiten seines ehemaligen Vertrauten äußern sollte. Er habe seit langer Zeit nicht mehr mit Bannon zu tun gehabt, beteuerte Trump. Die zentrale Funktion, die der ehemalige „Breitbart“-Chef für Trumps Wahlkampf, seine inhaltlichen Schwerpunkte und die ersten Monate seiner Amtszeit gehabt hatte, spielte der Präsident herunter. Das private Mauer-Projekt habe er nicht richtig gefunden und für „reine Show“ gehalten, so Trump – schließlich müsse die Regierung die Mauer bauen. Manche Beobachter glauben, dass Bannon den Präsidenten entgegen dessen Beteuerungen aber weiterhin gelegentlich beriet. Und Bannon soll Freunden gegenüber damit geprahlt haben, Trump höre seinen neuesten Podcast, „War Room: Pandemic“.

Viele Menschen aus Trumps Umfeld unterstützten Bannons Mauer-Projekt auch direkt. Der Rechtsberater des Mauerbau-Vereins war etwa Kris Kobach, ehemaliger Innenminister von Kansas und ein Einwanderungs-Hardliner, der kürzlich seine innerparteiliche Vorwahl für einen Sitz im Senat verlor. Er gilt als einer von Trumps loyalsten Unterstützern und behauptete Anfang 2019 laut der „New York Times“, das private Mauer-Projekt habe Trumps „Segen“. Sohn Donald Trump Jr. lobte die Aktion 2018 als „phantastisch“ und eine „wichtige Graswurzel-Angelegenheit“.

Eine Firma, die Bannons Verein für seine private „Mauer“ engagierte, soll zudem auch an Trumps Mauer beteiligt sein. Nach Angaben der „Washington Post“ soll der Präsident selbst einem Tochterunternehmen von „Fisher Industries“ den betreffenden Vertrag mit dem Ingenieur-Corps der Armee verschafft haben. Das Auftragsvolumen liegt nach diesem Bericht bei 400 Millionen Dollar. In Bannons Prozess wird es aber nur um seine eigenen Verfehlungen gehen und nicht um seine Verbindungen zu Trump. Doch wieder einmal spekulieren Trumps Gegner darauf, dass ein Präsidenten-Intimus in rechtlichen Schwierigkeiten auch über den Präsidenten „auspacken“ könnte.

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