https://www.faz.net/-gpf-zroa

Steinmeier und Kissinger im Gespräch : „Die Welt sucht nach neuer Ordnung“

  • Aktualisiert am

Diplomaten unter sich Bild: Frank Röth/F.A.Z.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger über Russland und Raketen, Iran und Irak, Syrien und das Erbe der Amtszeit von George W. Bush.

          Am Rande des „Frankfurter Allgemeine Forum“ über transatlantische Beziehungen in Berlin sind Bundesaußenminister Steinmeier sowie der frühere amerikanische Außenminister und Sicherheitsberater Kissinger zu einem F.A.Z.-Gespräch zusammengekommen. Mit ihnen sprachen Klaus-Dieter Frankenberger und Günther Nonnenmacher.

          Herr Kissinger, erleichtert der Wechsel im russischen Präsidentenamt von Putin zu Medwedjew die Kooperation des Westens mit Russland?

          Kissinger: Auch unter Putin war Zusammenarbeit möglich. Aber ich glaube, dass die neue Administration eine eigene Persönlichkeit hat und eine neue Struktur der Entscheidungsfindung produziert. Die Möglichkeiten einer engeren Kooperation mit Medwedjew sollten auf alle Fälle erforscht werden.

          Der amtierende deutsche und der frühere amerikanische Außenminister

          Auf welchen Feldern könnte diese engere Kooperation möglich sein? Ist Abrüstung eines?

          Kissinger: Ich glaube, dass die Russen bereit sind, über Abrüstung zu reden, so wie sie bereit sind, über Iran zu reden. Der Außenminister kann das bestätigen. Aber wir müssen das in einen größeren Rahmen stellen. Ich habe in Amerika den Vorschlag unterstützt, uns ernsthaft mit dem russischen Vorschlag zu befassen, eine gemeinsame Raketenabwehr in Aserbaidschan zu errichten.

          Steinmeier: Bei einer Antwort greifen wir zu kurz, wenn wir nur auf die Veränderung in Russland schauen. Die Welt ist auf der Suche nach neuer Ordnung, und wir brauchen eine Rolle Russlands darin, damit aus der Suche nach Ordnung keine neue Unordnung wird. Wir brauchen Russland, wenn wir in der neuen, multipolaren Welt die globalen Probleme lösen wollen. Der neue russische Präsident hat mehrfach seinen Willen bekundet, Russland zu modernisieren. Diese Modernisierung ist in erster Linie eine Angelegenheit Russlands. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns zu sehr in der Rolle des abwartenden Beobachters sehen. Wir unterschätzen, dass wir durch unsere Haltung gegenüber Russland dort die Spielräume für Modernisierung und Reformen beeinflussen können. Dieser Gedanke steht hinter meinem Angebot einer Modernisierungspartnerschaft, die von der Modernisierung des Rechtsstaates bis zur Modernisierung der Energieversorgung reichen kann. Ich sehe also Möglichkeiten der Kooperation mit Russland, und ich sehe sie ausdrücklich auch im Bereich der Abrüstungspolitik. Und das ist wiederum Schwerpunkt der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten und des russischen Präsidenten. Deswegen kann das Jahr 2009, wenn die Präsidentenwechsel in beiden Ländern vollzogen sein werden, ein Jahr der Möglichkeiten werden.

          Kann man denn mit dem Thema Nato-Beitritt der Ukraine so umgehen, dass es nicht zu einer Eskalation im Verhältnis des Westens zu Russland kommt?

          Weitere Themen

          „Eine Mischung aus Vertagen, Verzagen und Versagen“ Video-Seite öffnen

          Aktivisten unzufrieden : „Eine Mischung aus Vertagen, Verzagen und Versagen“

          Der Klimaaktionstag hat allein in Berlin mehr als 100.000 Menschen auf die Straße geholt. Sie wollen einen schnellen Wandel der Politik – ernüchternd ist da das Klimaschutzpaket der großen Koalition. In Stockholm meldete sich Greta Thunberg per Videoübertragung zu Wort.

          Topmeldungen

          Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

          Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
          Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

          Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

          Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.