https://www.faz.net/-gpf-9qbof

Steinmeier über den Brexit : Rüge für Johnson

  • -Aktualisiert am

Vor Johnsons Besuch stellte Steinmeier klar: Am Brexit-Abkommen ist nichts mehr zu ändern. Bild: dpa

Beispiellos dürfte es sein, dass ein Bundespräsident einem britischen Premierminister, wenige Stunden vor dessen Antrittsbesuch bei der Bundeskanzlerin, unlautere Motive unterstellt. Doch der Anlass war nicht schlecht.

          1 Min.

          In London halten sich manche besonders verzweifelte Gegner eines überhasteten EU-Austritts an der Hoffnung fest, am Ende werde Königin Elisabeth einschreiten. Als Staatsoberhaupt werde sie anstelle ihres Premierministers Boris Johnson nach Brüssel reisen und das Schlimmste – einen harten Brexit – verhindern, indem sie einen Aufschub des Austritts beantrage.

          Gemessen an dieser politischen Phantasterei war nur ein kleiner Tabubruch, was sich am Mittwoch in Berlin abspielte. Beispiellos dürfte es trotzdem sein, dass ein Bundespräsident einem britischen Premierminister, wenige Stunden vor dessen Antrittsbesuch bei der Bundeskanzlerin, unlautere Motive unterstellt. Freilich sprach Frank-Walter Steinmeier nur das Offenkundige aus: Johnson geht es allein um „Schuldzuweisungen“.

          Anstatt neue Ideen für das Problem der inneririschen Grenze auszubreiten, drischt er Phrasen („alternative Vorkehrungen“). Er will dafür sorgen, dass die EU den Schwarzen Peter hält, wenn er sein Land aus der EU herausbricht. Kein schlechter Anlass für ein Staatsoberhaupt, seine vornehme Zurückhaltung aufzugeben.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Reisepass aus Malta (hier von unserem Illustrator verfremdet) ist manchen Investoren viel Geld wert.

          Staatsbürgerschaftshandel : Goldene Pässe für Superreiche

          EU-Länder wie Zypern und Malta verkaufen ihre Staatsbürgerschaft gegen teures Geld. Ist das in Ordnung? Christian Kaelin, der als „König der Pässe“ bekannt ist, verteidigt das Geschäftsmodell.
          Sich zu Lebzeiten Gedanken zu machen, was passieren soll, wenn man gestorben ist, ist ein entlastendes Gefühl.

          Verdrängen kann helfen : Wo ist sie nur, meine Trauer?

          Als ihre Schwester stirbt, fragt sich unsere Autorin, warum sie das weniger trifft als gedacht. Und macht sich auf die Suche nach ihrer eigenen Form des Abschieds. Dabei lernt sie: Verdrängen ist per se nichts Schlechtes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.