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Brand auf Lesbos : Steinmeier sieht Lage in Flüchtlingslagern als „dramatisch“ an

  • Aktualisiert am

Flüchtlinge im Lager Moria auf Lesbos fliehen vor einem Brand. Bild: AFP

Die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern sind dramatisch, sagt der Bundespräsident. In Moria stirbt ein sechs Jahre altes Mädchen bei einem Brand.

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          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat auf die weiterhin dramatische Lage der Flüchtlinge in den Lagern in Griechenland und an der griechisch-türkischen Grenze hingewiesen. „Die Kinder, Frauen und Männer leben dort unter schwierigsten Bedingungen", sagte Steinmeier am Montag dem Portal t-online.de. Die geplante Aufnahme von 1600 Minderjährigen in Deutschland und weiteren EU-Staaten sei unter diesen Umständen "das Mindeste, was wir tun können".

          Er sei „sehr froh“, dass die beteiligten EU-Staaten hier „ein Zeichen“ setzten, sagte der Bundespräsident weiter. „Gleichzeitig können wir nicht auf den Schutz der EU-Außengrenzen, auch den Schutz vor unkontrollierten Grenzübertritten, verzichten“, so Steinmeier weiter. Mit Blick auf das Vorgehen der Türkei fügte er hinzu: „Europa darf sich nicht erpressen lassen von einer zynischen Politik, die Tausende Menschen absichtlich in eine Sackgasse schickt.“

          Steinmeier wies Vorwürfe zurück, Deutschland sei herzlos gegenüber Flüchtlingen geworden. Er verwies dabei auf „Signale der Hilfsbereitschaft von Bundesländern, Städten und Gemeinden“, die sich zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus Griechenland bereiterklärt haben, vor allem von unbegleiteten Minderjährigen. Bislang war dies allerdings an fehlenden Genehmigungen durch die Bundesregierung gescheitert.

          Auch Steinmeier mahnte zu einem abgestimmten Vorgehen in der EU: „Wir können diese Verantwortung nicht alleine tragen“, sagte er. „Unser Ziel muss eine gemeinsame europäische Migrationspolitik und ein gemeinsamer Schutz der europäischen Außengrenzen sein“, hob der Bundespräsident hervor. Dabei sei auch weiterhin eine Zusammenarbeit mit der Türkei erforderlich, vor allem aber „ein gemeinsames Vorgehen aller, mindestens aber mehrerer wichtiger EU-Staaten“.

          Der Geschäftsführer der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Florian Westphal, kritisierte, dass auf den griechischen Inseln Flüchtende unter „unmenschlichen Bedingungen“ untergebracht würden. Aktuell sei dies zudem ein Problem wegen der Coronakrise. „Es wäre unmöglich, unter den unhygienischen Bedingungen in Moria einen Ausbruch einzudämmen“, sagte Westphal der Zeitung „Die Welt“ mit Blick auf das völlig überfüllte Camp auf der Insel Lesbos. Es sei deswegen „dringender denn je, die Lager zu evakuieren und die Menschen in eine sichere Umgebung zu bringen“.

          In Moria war am Montag ein Brand ausgebrochen. Dabei sei ein sechs Jahre altes Mädchen ums Leben gekommen, teilte der Kommandeur der Feuerwehr, Evangelos Vasis, im Staatsrundfunk (ERT) mit. Die Feuerwehr geht von einem Unfall und nicht von Brandstiftung aus.

          Die Beamten hatten Schwierigkeiten, den Brandherd sofort zu erreichen, weil die Containerwohnungen im Camp dicht aneinandergebaut sind. Neben einer Containerwohnung brannten auch zwei provisorische Unterkünfte nieder, berichtete der Staatsrundfunk, weiter. Das Feuer konnte etwa eine Stunde nach Ausbruch gelöscht werden.

          Das Nachrichtenportal der Insel, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen waren, die in Panik versuchten, die Flammen zu löschen oder ihnen zu entkommen.

          Es hat mich an Sri Lanka erinnert nach dem Tsunami“

          Die Elend vieler Tausend Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos hat auch nach Aussage des Mainzer Arztes Gerhard Trabert unerträgliche Ausmaße angenommen. Die Zustände in dem völlig überfüllten Lager Moria habe er so bislang nur bei Katastropheneinsätze in Entwicklungsländern erlebt und in Europa nicht für möglich gehalten, sagte Trabert am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Es hat mich an Haiti erinnert oder an Sri Lanka nach dem Tsunami.“ Deutschland müsse nun dringend eine Vorreiterrolle spielen und sofort einen Teil der Menschen aufnehmen. Trabert war vor einigen Tagen mit Hilfsmaterial auf die Insel gereist.

          Der Mainzer Sozialmediziner und Gründer des Vereins „Armut und Gesundheit in Deutschland“ hatte das Flüchtlingscamp auf der nahe der Türkei gelegenen Ägäis-Insel bereits vor drei Jahren besucht. Schon damals sei das ursprünglich für 3000 Menschen ausgelegte Lager mit 6000 bis 7000 Schutzsuchenden überfüllt gewesen. „Seither hat sich alles dramatisch verändert“, berichtete Trabert. Ein Teil der mittlerweile 22.000 bis 25.000 Menschen lebe in primitiven, aus Plastikplanen gebauten Hütten. In Teilen des Lagers gebe es keinen Strom und keine sanitären Anlagen. Tote würden auf einem abgezäunten Gräberfeld verscharrt.

          Eine systematische Beschulung der rund 8000 Kinder finde nicht statt. Die griechischen Behörden, das UN-Flüchtlingshilfswerk und viele private Organisationen seien zwar vor Ort, doch ihre Hilfe wirke schlecht koordiniert. Viele Flüchtlinge lebten auch bereits mehr als ein Jahr unter den menschenunwürdigen Verhältnissen. Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien hätten oft auch schwere Kriegsverletzungen, es gebe aber keine angemessene medizinische Versorgung. Bei seinem Besuch habe er einen Syrer kennengelernt, dem die griechischen Behörden kürzlich mitgeteilt hätten, für seinen Fall gebe es einen Anhörungstermin im Jahr 2022.

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