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Steile Infektionskurve : Das Ende des schwedischen Sonderwegs?

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven. Bild: EPA

Die schwedische Regierung hat lange Zeit auf weniger Verbote gesetzt. Jetzt will auch Stockholm die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie verschärfen. Das Parlament spielt aber nur teilweise mit.

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          Stefan Löfven ist nicht der Mann für dramatische Appelle. Rhetorisch ist der sozialdemokratische Ministerpräsident Schwedens eher bei der deutschen Bundeskanzlerin, nüchtern und bedacht. Umso mehr fallen Sätze auf wie jene, die er am Wochenende in einem Interview zur Corona-Krise gesagt hat. Man müsse mit Tausenden Toten rechnen, sagte Löfven. „Es wäre besser, wenn wir uns darauf vorbereiten.“ Die Krise werde nicht Wochen, sondern Monate dauern.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Mit seinem Gespräch mit der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“ reiht Löfven sich in eine Reihe von Aussagen und Zahlen der vergangenen Tage ein, die klarmachen, dass die Situation auch in Schweden immer ernster wird. Am Sonntagabend hat sich König Carl XVI. Gustaf mit einer Fernsehansprache an die Nation gewandt. „Auch wenn es schwer sein mag, denken Sie daran: Sie sind nicht allein“, sagte der König. 401 Personen sind in Schweden bislang am Coronavirus gestorben, mehr als 6.830 sind als Infizierte gemeldet. Vor allem in der Hauptstadt ist die Situation angespannt, sie ist das Zentrum des Ausbruchs im Königreich.

          Bislang galt Schweden als große Ausnahme: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus wählte man einen Weg, der zwar mit der Abflachung der Infektionskurve dasselbe Ziel hatte wie in den meisten anderen Ländern auch – der aber doch zu anderen Entscheidungen führte, um das Ziel zu erreichen. So setzt die Regierung vor allem auf Appelle und Information, weniger auf Verbote. Die Schulen bis zur neunten Klasse und Kindergärten sind noch offen, Restaurants mit Einschränkungen auch. Stattdessen wurden vor allem alte Menschen aufgefordert, auf soziale Kontakte zu verzichten, um sich zu schützen; wer älter als 70 Jahre ist, sollte zu Hause bleiben. Alle anderen sollten möglichst im Homeoffice arbeiten, Reisen vermeiden oder schon bei den leichtesten Symptomen die Wohnung nicht mehr verlassen.

          Die Kurve der Infektionen wird steiler

          Die staatliche Gesundheitsbehörde berief sich bei ihrer Strategie unter anderem auf unterschiedliche Kulturen und Voraussetzungen in den Ländern – Schweden ist dünn besiedelt. Doch die Kurve der Infektionen steigt weiter an. Vergangene Woche sagte der schwedische Chefepidemiologe Anders Tegnell, sie werde steiler. Es gibt Berichte, dass das Virus sich in Stockholm auch in Altersheimen ausbreitet und bereits Dutzende Todesfälle verursacht habe. In einer Messehalle wurde am Wochenende ein Lazarett für Covid-19-Erkrankte eröffnet.

          Schon in den vergangenen Tagen justierte die Regierung also nach. Veranstaltungen mit mehr als 50 Menschen wurden verboten, genauso wie die Besuche in Altersheimen. Es gibt Aufrufe, öffentliche Verkehrsmittel zumindest im dichten Berufsverkehr zu meiden, Geschäfte müssen die Anzahl der Kunden begrenzen, die sie hineinlassen.

          Politisch spitzt sich die Lage ebenfalls zu für Löfven und seine rot-grüne Minderheitsregierung. Konnte er sich bislang einer breiten Unterstützung im Parlament für seine Krisenpolitik und die Rettungspakete sicher sein, scheiterte nun der Versuch, sich mit größeren Vollmachten ausstatten zu lassen. Seine Regierung hatte ein Gesetz vorbereitet, um in der Krise schneller gegen das Coronavirus vorgehen zu können – und auch ohne Zustimmung des Reichtages Versammlungen verbieten oder Cafés und Supermärkte schließen zu können. Nach heftiger Kritik änderte die Regierung das Gesetz am Wochenende. Das Parlament soll nun eine Art Vetorecht haben.

          Löfvens Zustimmungswerte steigen

          Unter den Schweden immerhin erfährt Löfven so viel Zustimmung wie lange nicht. In einer Umfrage sagten vergangene Woche 44 Prozent der Befragten, sie hätten großes Vertrauen in ihn. Im Februar waren es noch 26 Prozent. In dem Interview wurde Löfven auch gefragt, ob er jemals daran gezweifelt habe, dass Schweden die richtige Strategie verfolge. Die Hauptpfeiler der Strategie, sagte er, also die Ausbreitung des Virus zu begrenzen ebenso wie die Folgen für die Wirtschaft und das soziale Leben, seien richtig. Man müsse aber auch immer bereit sein, sich zu überprüfen und innerhalb dieses Rahmens anzupassen.

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