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Explosion in Irans Atomanlage : Hat Israel eine Bombe in Natans plaziert?

Blick auf ein Gebäude der Atomanlage Natans am 2. Juli, das von einem Feuer stark beschädigt wurde. Bild: dpa

Eine Explosion in Natans hat den Ausbau von Teherans Atomprogramm verlangsamt. Israel bestreitet nicht allzu energisch, dass es dahinterstecke. Und es gab noch mehr mysteriöse Vorfälle.

          3 Min.

          Am vergangenen Donnerstag kam es an einem der wichtigsten iranischen Standorte zur Herstellung von Kernbrennstoff, der für Atomwaffen benötigt wird, zu einer Explosion: auf dem Gelände der Nuklearanlage in Natans. Nachdem das Regime in Teheran den Vorfall zunächst abgetan hatte, gab Irans Atomenergiebehörde ein Foto von einer ausgebrannten Halle heraus, in der ein größeres Loch klaffte. Ein Sprecher der Behörde sagte der regimenahen Nachrichtenagentur Irna in ungewohnter Offenheit, es sei möglich, „dass dieser Vorfall die Entwicklung und Erweiterung von fortgeschrittenen Zentrifugen verlangsamt“. Für wie lange, sagte der Iraner auch: Er sprach von Monaten.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Die Zeitung „The New York Times“ wiederum meldete unter Berufung auf einen „nahöstlichen Geheimdienstvertreter“, dass Israel in besagtem Gebäude eine Bombe plaziert habe. Eine offizielle israelische Bestätigung blieb zunächst aus. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte ungenannte iranische Behördenvertreter, die von einem Cyberangriff ausgingen. Israels Außenminister Gabi Ashkenazi sagte auf einer Konferenz in Jerusalem grundsätzlich, man dürfe Iran keine nuklearen Fähigkeiten erlauben und deshalb „treffen wir Maßnahmen, die besser ungenannt bleiben“.

          Das Feuer war nicht der einzige Zwischenfall

          Es war eine übliche israelische Äußerung. Auch Ashkenazi ist ein Veteran des unerklärten Krieges zwischen Israel und Iran. Als Israel gemeinsam mit den Vereinigten Staaten vor rund zehn Jahren das Computervirus Stuxnet gegen Steuerungssysteme der iranischen Zentrifugen einsetzte, war Ashkenazi Generalstabschef; etwa zur selben Zeit, in der unbekannte Täter reihenweise iranische Nuklearwissenschaftler töteten.

          Und auch diesmal blieb das Feuer in Natans nicht der einzige Zwischenfall: Nur Tage zuvor hatte es eine Explosion in der Raketenentwicklungsanlage Khojir gegeben, die Iran offiziell auf ein Leck in einem Gasspeicher zurückführte. Weitere Zwischenfälle in Kraftwerken und chemischen Anlagen sowie eine Explosion in einem Teheraner Krankenhaus mit 19 Toten kamen hinzu. Unklar blieb, ob es sich dabei um Angriffe oder Unfälle der gemeinhin maroden iranischen Infrastruktur gehandelt hat. Der von der „New York Times“ zitierte Geheimdienstvertreter jedenfalls sagte, Israel stecke im Gegensatz zum Angriff in Natans nicht dahinter – womit er Angriffe anderer Akteure nicht ausschloss.

          Seit langem verfolgen Amerika und Israel eine Politik des „maximalen Drucks“ gegen Iran, die sich seit der amerikanischen Kündigung des Atomabkommens 2018 verschärft hat, vor allem durch neue Sanktionen. Die resultierende iranische Wirtschaftskrise, welche durch die Corona-Pandemie verschärft wird, gilt Israel als Gelegenheitsfenster: Zuschlagen, solange Donald Trump noch im Amt und das im Oktober auslaufende Embargo konventioneller Waffen gegen Iran noch in Kraft ist.

          Das Gegenteil gilt für das Regime in Teheran. Es bricht seit 2019 schrittweise Einschränkungen des Atomabkommens und scheint dadurch neue Druckmittel gewinnen zu wollen. Die fortschrittlichen Zentrifugen würden die Ausbruchszeit zu einer Atombombe verkürzen. Der iranische Ansatz sei langfristig, sagt die Iran-Spezialistin Sima Shine vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. „Sie suchen gerade keine militärische Konfrontation.“ Teherans Ziele seien das Ende der Sanktionen und ein neues Atomabkommen. So könnte Iran abwarten, bis in Amerika eine neue Regierung vereidigt ist.

          Irans Atomprogramm ist verlangsamt

          Der Militärkorrespondent der israelischen Zeitung „Jedioth Ahronot“ verglich die mutmaßlichen Angriffe in Iran mit denen, die Israel seit langem gegen iranische Kräfte in Syrien unternimmt. Dabei sei auch hier klar, dass die Explosionen in Natans und in Khojir das iranische Nuklearprogramm nicht beendet, sondern nur verlangsamt hätten. Er zitierte amerikanische Studien, denen zufolge Iran grundsätzlich drei Monate von der Fähigkeit entfernt sei, 25 Kilogramm auf neunzig Prozent angereicherten Urans herzustellen, welches dem benötigten Material für eine einzige Atombombe entspreche. Gleichwohl zwinge der Angriff das Regime dazu, neues Geld für Reparaturen auszugeben, das an anderer Stelle fehle.

          Israel nahm am Montagmorgen ein weiteres Mittel dazu in Betrieb: den Spionagesatelliten „Ofek 16“, der vor allem der Überwachung iranischer Aktivitäten dienen soll. Sein Start folgte auf den ersten Start eines iranischen Satelliten im April. Die Trägertechnologie der ballistischen Raketen beider Länder ließe sich auch für den Abschuss von Atomwaffen verwenden.

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