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Staudamm in Tibet : Indien beunruhigt über chinesisches Projekt

Der Drei-Schluchten-Staudamm, der bislang mächtigste Staudamm der Welt - ein ähnliches Bauwerk in Tibet soll ihn an Kapazität noch übertreffen. Bild: REUTERS

China will in Tibet einen gigantischen Staudamm bauen. Das sorgt auch beim Nachbarn Indien für Unruhe: Es wird befürchtet, dass durch den Bau der indische Unterlauf des Flusses große Mengen Wasser verliert.

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          Ein chinesisches Staudammprojekt in Tibet sorgt für Unruhe beim indischen Nachbarn. Die Inder waren von einer Nachricht in der chinesischen Staatspresse aufgeschreckt worden. Darin stand, dass in Tibet am vergangenen Freitag am Fluss Yarlung Tsangpo mit dem Bau eines Staudammes begonnen worden sei. Der Yarlung Tsangpo, oft als „höchster Fluss der Welt“ bezeichnet, fließt aus Tibet weiter nach Indien und Bangladesch und heißt dort Brahmaputra.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In Indien wird nun befürchtet, dass der Zufluss während der Bauzeit des Staudamms aufgehalten werden könnte, so wie es die ersten Meldungen aus China auch nahegelegt hatten. Man rechnet mit Problemen für die Bevölkerung und das Ökosystem am indischen Unterlauf des Flusses.

          Peking hat sich nun um Beschwichtigung bemüht. Die Gebiete am Unterlauf des Flusses hätten keine Beeinträchtigung zu befürchten, hieß es in der chinesischen Presse am Donnerstag. Der Zufluss werde nicht gestoppt, sagte Li Chaoyi, Chefingenieur des Energiekonzerns Huaneng, der Nachrichtenagentur Xinhua. „Nach der Inbetriebnahme wird das Wasser durch Turbinen und Schleusen geleitet und den Wasserstand am Unterlauf nicht beeinflussen“, sagte der Ingenieur. Zudem wurden einige Details des Projekts genannt. Die geplante Gesamtkapazität des Zangmu-Staudamms, der 325 Kilometer südöstlich von Lhasa gebaut werden soll, betrage 510 Megawatt. Die Investitionen lägen bei 7,9 Milliarden Yuan, umgerechnet 880 Millionen Euro. Die ersten Generatoren sollen vom Jahr 2014 an laufen.

          Will China nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Wasser umleiten?

          Der indischen Presse zufolge hat China die Dämmung des Yarlung Tsangpo mit diesen Berichten nun zum ersten Mal „zugegeben“. Indische Regierungsmitglieder hatten die Angelegenheit aber schon mehrfach angesprochen, zuletzt bei einem Ministertreffen in China in der vergangenen Woche. In der Zeitung „Times of India“ hieß es, die Regierung in Delhi werde alle Entwicklungen beobachten. Hintergrund ist die Befürchtung, dass China in Zukunft mit seinen Staudämmen in Tibet nicht nur Strom erzeugen will, sondern langfristig auch die Umleitung des Wassers in den chinesischen Osten plant.

          In China sind die Wasservorkommen regional sehr ungleich verteilt. Seit Jahrzehnten schon planen chinesische Ingenieure deshalb ein gewaltiges Umleitungsprojekt, das Wasser aus dem feuchten Süden in den trockenen Norden bringen soll. Einige Pläne sahen für die westliche Route des Projekts auch eine Entnahme von Wasser aus dem Yarlung Tsangpo vor.

          Neue Riesenkraftwerke geplant

          Der Plan für die westliche Route ist derzeit allerdings komplett auf Eis gelegt. Doch wird China wohl weiter nach einer Lösung für seinen zunehmenden Wassermangel suchen müssen. So geht es in der Auseinandersetzung letztlich um einen Kampf ums Wasser und die faire Teilung der lebensnotwendigen Ressource. Das Himalajagebiet ist Ursprung für einige der größten Ströme Asiens. Der Gedanke, dass China hier willkürlich den Hahn zudrehen könnte, sorgt in Indien und auch in anderen Nachbarländern für Unbehagen. Die Bedenken sind auch nicht unbegründet.

          Die chinesische Regierung, in der einige gelernte Ingenieure sitzen, hält viel von der Kraft des Wassers. Insgesamt haben die Energiekonzerne in China Wasserkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 200.000 Megawatt installiert, mehr als in jedem anderen Land. Vor allem im Südwesten entstehen immer neue Staudämme. Nun sollen auch in Tibet mehr Dämme gebaut werden und dort die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen. Auch am Yarlung Tsangpo sollen einigen Berichten nach weitere Dämme gebaut werden. Darunter ist auch einer, der seiner Kapazität nach selbst den zentralchinesischen Drei-Schluchten-Staudamm übertreffen würde, das derzeit mächtigste Wasserkraftwerk der Welt.

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