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Start-Nachfolgevertrag : Vorteil Obama?

  • -Aktualisiert am

Möchte ein Beispiel für die nukleare Abrüstung geben: Barack Obama Bild: picture-alliance/ dpa

Skepsis in Moskau über die Abrüstungsvereinbarungen mit Amerika: Ein verbreitetes Urteil lautet, das Wichtigste sei gewesen, dass überhaupt wieder miteinander gesprochen wurde. Im Übrigen sei nicht viel Konkretes herausgekommen.

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          In Russland sind Fachleute für Sicherheitsfragen und auswärtige Beziehungen sowie Kommentatoren noch immer dabei, die Ergebnisse der Moskauer Gespräche des amerikanischen Präsidenten Obama mit der russischen Doppelspitze aus Präsident Medwedjew und Ministerpräsident Putin zu sichten und zu bewerten. Ein verbreitetes Urteil lautet, das Wichtigste sei gewesen, dass überhaupt wieder miteinander gesprochen worden sei. Im Übrigen, so die Fraktion der Nüchternen, sei nicht viel Konkretes herausgekommen. Es sei auch keineswegs gewiss, dass es bis zum Jahresende gelingen werde, einen Start-Nachfolgevertrag über die Abrüstung der strategischen Nuklearwaffen Russlands und Amerikas abzuschließen.

          Der russische Militärfachmann Pawel Felgenhauer meinte jetzt, zu sowjetischer Zeit hätte der Kreml seine Unterhändler hinausgeworfen, wenn sie gewagt hätten, derartige Vorschläge hinzunehmen, wie sie Medwedjew und Obama dieser Tage in Moskau verkündeten. Felgenhauer machte die folgende Rechnung auf. Im Moskauer Sort-Vertrag von 2002, der den Start-Vertrag von 1991 nachbessern sollte, seien beiden Seiten zwischen 1700 und 2200 nuklearstrategische Gefechtsköpfe zugestanden worden. Jetzt hätten Obama und Medwedjew in einer Absichtserklärung ins Auge gefasst, dass beide Seiten künftig binnen sieben Jahren nach Inkrafttreten des geplanten Start-Nachfolgevertrags „nur“ noch zwischen 1675 und 1500 Gefechtsköpfe besitzen dürften. Titanen der Abrüstung seien da nicht am Werk gewesen.

          Amerikaner nahe am oberen Limit

          Die geplanten Einschnitte bei den Trägersystemen stufte Felgenhauer als lächerlich gering ein. Gegenwärtig verfügten die Amerikaner über rund 1000 Trägersysteme, die Russen über 634. Auf konkrete Zahlen für die Reduzierung hätten sich Moskau und Washington offensichtlich nicht einigen können, deshalb sei für beide Seiten jeweils ein breiter Spielraum gelassen worden. In der gemeinsamen Absichtserklärung über den Start-Nachfolgevertrag würden Russen und Amerikanern jeweils „nur“ noch zwischen 1100 und 500 Trägersysteme zugestanden.

          Die Annahme liege jedoch nahe, meinte Felgenhauer, dass sich in der Praxis die Limits und auch die bisherigen Proportionen im Kräfteverhältnis auf diesem Gebiet der nuklearstrategischen Rüstung wohl kaum ändern würden. Die Amerikaner würden sicherlich nahe am oberen Limit, die Russen dagegen, weil ihnen die Ressourcen für mehr fehlten, in der Nähe der Untergrenze bleiben. Den Amerikanern komme eine hoch angesetzte Obergrenze schon deshalb gelegen, weil ihnen das erlaube, trotz der ins Auge gefassten Reduzierung atomarer Gefechtsköpfe verbleibende Trägersysteme mit konventionellen Gefechtsköpfen auszustatten.

          Russland könne nicht mithalten

          Die amerikanische Debatte, einen Teil der auf Unterseebooten stationierten Trident-Raketen mit konventionellen Gefechtsköpfen auszurüsten, läuft in der Tat seit 2006. Zielvorstellung ist, die grundsätzliche Möglichkeit für einen amerikanischen „Global Strike“ mit konventionellen Waffen zu schaffen. Russland ist gegen eine solche Möglichkeit für die Amerikaner, konnte sich in den Sondierungen über den Start-Nachfolgevertrag damit aber offenbar nicht durchsetzen.

          Ferner ist ungeklärt, ob nur die auf Trägersystemen stationierten Gefechtsköpfe gezählt werden sollen, wozu die Amerikaner neigen, oder auch die eingemotteten und in Reserve gehaltenen Gefechtsköpfe, wie das die Russen immer verlangt haben. Es geht dabei um die Möglichkeit einer Seite, bei gravierenden Veränderungen des politischen Umfelds die verbleibenden Trägersysteme zusätzlich mit nuklearen Gefechtsköpfen aus der eingelagerten Reserve auszurüsten. Russland, so die Sorge des früheren Stabschefs der Raketenstreitkräfte, Viktor Jesin, könne da nicht mithalten.

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