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Stalins Pläne : Niederschlesien wäre deutsch geblieben

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Stalin plante eigene Nachkriegsgrenzen
          2 Min.

          Im Russischen Staatsarchiv in Moskau ist eine Landkarte aus dem Sommer 1944 gefunden worden, die Stalins Rolle bei der Festlegung der Nachkriegsgrenzen in Ostmitteleuropa und den damit einhergehenden Vertreibungen dokumentiert. Der darauf von dem Diktator eigenhändig eingezeichnete Verlauf der Grenze zwischen Deutschland und Polen weicht deutlich von der heutigen Grenzziehung ab. Nach Stalins damaligen Vorstellungen wäre ganz Niederschlesien deutsch geblieben und Breslau eine geteilte Stadt geworden.

          Noch im Sommer 1944 dachte Stalin an einen Verlauf entlang der Linie Oder-Glatzer Neiße. Spätestens Ende jenes Jahres legte er sich dann auf die mehr als 200 Kilometer weiter westlich gelegene Lausitzer Neiße fest, so dass nach der Niederringung des „Dritten Reiches“ Schlesien vollständig an Polen fallen sollte. Die Entwicklung der Überlegungen Stalins erläutert der polnische Historiker Bogdan Musial in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Samstagausgabe), die auch die Deutschland-Karte Stalins im Faksimile wiedergibt.

          „Geheimes Zusatzprotokoll“ zwischen Hitler und Stalin

          Der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 hatte die wohlwollende Neutralität der Sowjetunion bei Hitlers Angriff auf Polen sichergestellt. Außerdem war im „Geheimen Zusatzprotokoll“ eine Abgrenzung der Interessensphären vorgesehen: Polen sollte entlang der Flüsse Pissa, Narew, Weichsel und San geteilt werden. Estland, Lettland, Finnland und Bessarabien würden bei „einer territorial-politischen Umgestaltung“ der Sowjetunion zufallen.

          Bild: F.A.Z.-Bogdan Musial

          Nach Hitlers Sieg über Polen wurde im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 die Demarkationslinie von der Weichsel an den Bug verlegt und zudem Litauen dem sowjetischen Einflussgebiet zugeschlagen.

          Westverschiebung Polens Ende 1943 beschlossen

          Die Lage änderte sich durch den deutschen Angriff auf die Sowjetunion vom 22. Juni 1941, der zur Formierung der Anti-Hitler-Koalition führte. Als sich der amerikanische Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill Ende 1943 mit Stalin in Teheran trafen, war man sich im Prinzip über eine Westverschiebung Polens, eine Aufteilung Deutschlands und umfangreiche „Umsiedlungen“ einig, damit Stalin seine Beute von 1939/40 im wesentlichen behalten konnte.

          Der Diktator schlug als deutsch-polnische Grenze die Oder vor. Die westliche (Görlitzer) Neiße forderte Stalin erst Anfang Februar 1945 auf der Konferenz von Jalta, was die Westmächte vehement ablehnten. Trotzdem setzte sich Stalin im Sommer auf der Potsdamer Konferenz durch. Fortan war „jede Nachkriegsregierung Polens, auch wenn sie frei gewählt, nichtkommunistisch und souverän wäre, angesichts der deutschen Revisionsansprüche von der UdSSR abhängig, und zwar solange die Sowjetunion die polnischen Westgrenzen garantierte“, urteilt Musial.

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