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Sri Lanka : Luftangriff der Tamilen-„Tiger“

Das von den „Tigern” veröffentlichte Foto soll Piloten der Rebellen-„Luftwaffe” zeigen Bild: REUTERS

Bislang haben die Rebellen in Sri Lanka eher mit ihrer „Marine“ auf sich aufmerksam gemacht. Nun konnten sie in den Luftraum des Militärflughafens Katunayake eindringen und Bomben werfen. Der wohlinszenierte Propaganda-Coup trifft die Regierung.

          2 Min.

          Es war ein wohlinszenierter Propaganda-Coup. Nur wenige Stunden nach ihrem ersten bestätigten Angriff aus der Luft verbreiteten die „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE) Fotos, die ihren Anführer Prabhakaran winkend vor blau uniformierten „Air Tigers“ zeigen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          In der Nacht zu Montag war es den Rebellen gelungen, in den Luftraum über dem Militärflughafen Katunayake einzudringen und Bomben auf die srilankische Luftwaffe abzuwerfen. Drei Soldaten wurden getötet, es gab 17 Verletzte und einen weiteren Image-Schaden für die Regierung in Colombo.

          Nachdem im Abfertigungsgebäude des Internationalen Flughafens Panik ausgebrochen war, musste der zivile Flugverkehr für einige Stunden stillgelegt werden. Die Fluggesellschaft Cathay Pacific kündigte am Montag an, die srilankische Hauptstadt vorerst nicht mehr anzufliegen.

          Schäden konnten stets repariert werden

          Gerüchte über den Aufbau einer „Rebellen-Luftwaffe“ gab es seit mehr als zehn Jahren, nicht zuletzt genährt von entsprechenden Hinweisen der LTTE. Schon während der Friedensverhandlungen, die in das - pro forma bis heute geltende - Waffenstillstandsabkommen von 2002 mündeten, spielte eine Start- und Landebahn in den von den LTTE kontrollierten Gebieten eine Rolle.

          Wiederholt bombardierte die srilankische Luftwaffe die Piste bei Iranaimadu, aber die Schäden konnten nach Angaben der Rebellen stets repariert werden. Ob die beiden zweisitzigen Propellermaschinen ihren Angriff von Iranaimadu aus geflogen sind, wollten die Rebellen am Montag nicht preisgeben.

          Verankerte Bomben unter dem Flugzeugbauch

          Die veröffentlichten Fotos lassen keine eindeutigen Rückschlüsse auf den Typ und die Herkunft der Flugzeuge zu. Angeblich ist es den Rebellen in den vergangenen Jahren gelungen, bis zu fünf Leichtmaschinen zu erwerben, unter anderem vom Typ Pilatus PC-7 und Z-143.

          Stolz meldete die den Rebellen nahestehende Internetzeitung „Tamilnet“, Fachleute hätten bislang geglaubt, dass Fluggerät der Rebellen „nur“ als Selbstmordwaffe eingesetzt werden könne. Die „Luftwaffe Tamil Eelam“ (TAF) habe aber im Eigenbau Vorrichtungen für die Befestigung von Bomben sowie einen automatischen Entladungsmechanismus installieren können.

          Die Fotos zeigen die unter dem Flugzeugbauch verankerten Bomben. Die Regierung in Colombo hatte in den Monaten nach dem Tsunami den Vorwurf erhoben, dass in den Hilfslieferungen an die von den LTTE kontrollierten Gebiete auch militärisch verwendbare Güter versteckt seien.

          „Volk vor den wahllosen Bombardierungen schützen“

          Im August vergangenen Jahres entstand erstmals der Verdacht, die LTTE hätten mit einem Flugzeug den Militärstützpunkt Palaali angegriffen. Ein Sprecher der Rebellen kommentierte den Angriff damals mit den Worten, dass „alle unsere Soldaten, Seeleute und Flieger“ im Einsatz gewesen seien.

          Diesmal sagte derselbe Sprecher ausdrücklich, dass die Flugzeuge den Angriff geflogen hätten und „sicher zurückgekehrt“ seien. Der „Präventivangriff“ habe dazu gedient, „unser Volk vor den wahllosen Bombardierungen der srilankischen Streitkräfte zu schützen“, sagte er und kündigte neue Angriffe an.

          „Sea Tigers“ versenken immer wieder Schiff

          „Tamilnet“ berichtete am Montag über weitere Hintergründe der Rebellen-“Luftwaffe“. Demnach wurde in den neunziger Jahren ein „Oberst Shankar“, der mit bürgerlichem Namen Vythialingam Sornalingam hieß, mit der Entwicklung einer Einheit der „Air-Tiger“ beauftragt.

          Der Rebellen-Oberst, ein in Sri Lanka und Indien ausgebildeter Flugzeugingenieur, habe auch für Air Canada gearbeitet und sei im Jahr 2001 „ermordet“ worden. Im selben Jahr wurden der Luftwaffenstützpunkt und der anliegende Flughafen schon einmal angegriffen, als eine Gruppe von Selbstmordattentätern 22 Menschen tötete und mehrere Flugzeuge der Luftwaffe sowie Zivilmaschinen zerstörte.

          Bislang hatten die Rebellen eher mit ihrer „Marine“ auf sich aufmerksam gemacht. Die „Sea Tigers“ haben einen Hafen in Mullaitivu und versenken immer wieder Schiffe der srilankischen Marine. Mehrfach seit dem Wiederausbruch der Kampfhandlungen vor 15 Monaten kam es zu Seegefechten; zuletzt drangen „Sea Tigers“ im Januar in den Hafen von Colombo ein. Die meisten der 4000 Bürgerkriegstoten, die seit Anfang vergangenen Jahres in Sri Lanka zu beklagen sind, starben jedoch durch den Einsatz von Bodentruppen beider Seiten.

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