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Anschläge in Sri Lanka : Drahtzieher sprengte sich in Hotel in die Luft

  • Aktualisiert am

Der Drahtzieher der Anschläge von Sri Lanka soll sich im Speiseraum des Shangri-La-Hotels in die Luft gesprengt haben. Bild: dpa

Der Anführer der Islamistengruppe National Thowheeth Jama’ath soll einer der Attentäter im Shangra-La-Hotel gewesen sein, sagt der Präsident des Landes. Nach dem Islamisten war seit den Anschlägen gesucht worden.

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          Der Hauptverdächtige der blutigen Anschlagsserie in Sri Lanka ist tot: Der gesuchte Anführer der Islamistengruppe NTJ, Zahran Hashim, habe sich am Ostersonntag als Selbstmordattentäter im Hotel „Shangri-La“ in die Luft gesprengt, sagte Präsident Maithripala Sirisena am Freitag. Als Reaktion auf das Versagen der nationalen Sicherheitsbehörden legte Polizeichef Pujith Jayasundara sein Amt nieder. Landesweit herrschten wegen der Freitagsgebete weiter scharfe Sicherheitsvorkehrungen.

          Die Geheimdienste hätten ihm mitgeteilt, dass Hashim „während der Shangri-La-Attacke“ in Colombo getötet worden sei, sagte der Staatschef vor Reportern. Hashim habe den Angriff auf das Luxushotel angeführt und sei von einem zweiten Attentäter begleitet worden, der als Ilham Ibrahim identifiziert worden sei.

          Hashim galt als der Anführer der Islamistengruppe National Thowheeth Jama’ath (NTJ), die von der Regierung in Colombo für die Anschläge verantwortlich gemacht wird. Er stand im Mittelpunkt eines Bekennervideos der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat„ (IS). Darin leitet er sieben weitere Islamisten bei einem Treueschwur auf IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi an.

          Die Erkenntnisse kommen dem Präsidenten zufolge vom Militärgeheimdienst und beruhen teils auf Bildern von Überwachungskameras am Tatort. Nach den Anschlägen vom Ostersonntag war Hashims Verbleib zunächst unklar gewesen, die Sicherheitsbehörden des südasiatischen Inselstaates fahndeten unter Hochdruck nach dem Islamisten.

          Vor den Anschlägen in Sri Lanka war Hashim, der etwa 40 Jahre alt gewesen sein soll, weitgehend unbekannt. In Online-Netzwerken hatte er allerdings tausende Anhänger, er veröffentlichte hetzerische Predigten auf Youtube und Facebook. Örtlichen Medien zufolge gründete Hashim die NTJ im Jahr 2014. Er stammt aus der Region Batticaloa an der Ostküste Sri Lankas, in der eine der am Sonntag attackierten Kirchen steht.

          Bei den Anschlägen am Ostersonntag in drei Kirchen und drei Hotels wurden nach Behördenangaben 253 Menschen getötet und 485 weitere verletzt. Ein geplantes viertes Attentat in einem Hotel schlug fehl. Die Regierung in Colombo geht davon aus, dass die NTJ ausländische Unterstützung gehabt haben muss. 74 Verdächtige wurden bislang festgenommen.

          Regierung und Behörden stehen unter großem Druck, da es im Vorfeld der Anschläge konkrete Hinweise und Warnungen aus dem Ausland gegeben hatte. Die Regierung hatte schwerwiegende Versäumnisse der Sicherheitsbehörden eingeräumt. Eine vom Polizeichef am 11. April verfasste Warnung vor Anschlagsplänen der NTJ wurde nicht an die Regierung weitergeleitet.

          Dieses vom Propagandaarm des „Islamischen Staates“ verbreitete Bild soll den Drahtzieher der Anschläge von Colombo Zahran Hashim sowie sieben weitere Attentäter zeigen.

          Der Polizeichef trat zurück, vor ihm hatte am Donnerstag bereits der höchste Beamte des Verteidigungsministeriums, Hemasiri Fernando, seinen Posten geräumt. Beide müssten „Verantwortung für das Sicherheitsversagen übernehmen“, sagte Präsident Sirisena.

          Indien hatte das Nachbarland mehrfach vor möglichen Selbstmordanschlägen gewarnt, wie AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Bei Festnahmen von Verdächtigen mit mutmaßlichen Verbindungen zum IS in Südindien seien Dokumente mit „bedrohlichen“ Inhalten sichergestellt worden, darunter Videos.

          Diese enthielten den Angaben zufolge „Drohungen durch einen radikalen Anführer aus Sri Lanka, die auf mögliche Selbstmordanschläge schließen ließen“. Indische Medien nannten den Namen des Mannes: NTJ-Chef Zahran Hashim.

          Wegen der Freitagsgebete in den Moscheen blieben die Sicherheitsmaßnahmen landesweit hoch. Australien warnte am Freitag wie zuvor andere Staaten eindringlich vor der Gefahr neuer Anschläge in Sri Lanka. Weitere Attacken seien „wahrscheinlich“, erklärte das australische Außenministerium. Anschläge könnten unter anderem Orte treffen, die von Ausländern aufgesucht würden. Deshalb warnten sowohl muslimische und christliche Geistliche davor, am Freitag Gotteshäuser aufzusuchen. Die Gefahr für weitere Bluttaten sei weiterhin hoch.

          Auch die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Israel und die Niederlande haben vor Reisen in das Land gewarnt. Die niederländische Stiftung Calamiteitenfonds Reizen, die in Katastrophenfällen als Versicherer und Koordinator tätig ist, kündigte für die kommenden Tage die Rückführung von bis zu 500 Niederländern an.

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