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Attacken in Sri Lanka : Anschläge in einem gespaltenen Land

Trauer in Colombo: Die Gläubigen feierten gerade die Ostermesse, als eine Explosion die Kirche St. Antonius erschütterte. Bild: dpa

Im buddhistischen Sri Lanka sind die Christen in der Minderheit. Am Feiertag wurden sie Opfer einer der schwersten Anschläge seit dem Ende des Bürgerkriegs vor zehn Jahren. Hat es sogar Warnungen vor den Explosionen gegeben?

          Die ersten Bilder, die von den Bombenanschlägen auf mehrere Kirchen und Hotels in Sri Lanka zu sehen sind, zeigen chaotische Szenen. Blut klebt an den Wänden, die Wandfarbe ist abgefetzt, das Dach voller Löcher. Menschen beugen sich zwischen den Kirchenbänken zu Boden. Sie versuchen offenbar, Menschen, die auf dem Boden liegen, zu helfen. Die Fotos zeigen die Kirche St. Sebastian in Katuwapitiya nördlich der Hauptstadt Colombo. Sie sind teilweise verwackelt und wohl in großer Hast aufgenommen und auf die Facebook-Seite der Kirche hochgeladen worden. „Bombenattacke auf unsere Kirche. Bitte kommt und helft, wenn Eure Familienmitglieder dort sind“, steht über dem Eintrag. Aus dem Tonfall sprechen die Fassungslosigkeit und der Schock darüber, dass die noch unbekannten Täter die Kirche ausgerechnet zum Gottesdienst am Ostersonntag ins Visier genommen haben. Eine Zeit, die eigentlich Hoffnung und Frieden bringen soll. 

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Andere Bilder, die aus dem Gotteshaus stammen sollen, zeigen Verwundete und Blut auf dem Boden. Mehr als 50 Menschen sollen dort getötet worden sein. Aber die Kirche nahe der Stadt Negombo ist nicht der einzige Ort, der am Ostersonntag in dem südasiatischen Land von einer Bombe getroffen wird. Daneben sind auch zwei Kirchen und drei Hotels in Colombo betroffen, sowie ein weiteres Gotteshaus außerhalb der Hauptstadt. Nachrichtenagenturen melden sogar mehr als 200 Tote durch die offenbar koordinierten Anschläge, die in weniger als einer halben Stunde stattgefunden haben sollen. Mehr als 500 Menschen werden verletzt. Unter den Toten sind auch mindestens elf Ausländer. Bisher gibt es keine Erkenntnisse, dass sich Deutsche unter den Toten und Verletzten befinden. Stunden später werden auch noch zwei kleinere Attacken in Vororten Colombos gemeldet. Bei den Explosionen in einem kleinen Hotel und einer Wohngegend kommen mindestens zwei weitere Menschen ums Leben.

          Die St.-Sebastian-Kirche nach dem Anschlag

          Die Auswahl der Kirchen als Anschlagsziele deutet dabei auf einen religiösen Hintergrund der Attacke hin. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene spricht bei einer Pressekonferenz zwar nur von einem „terroristischen Vorfall“ und von „extremistischen Gruppen“. Doch Details nennt er nicht.  Auch Stunden nach den ersten Anschlägen hat sich niemand dazu bekannt. Aber die Attacke dürfte sich gezielt gegen Christen gerichtet haben, die in dem mehrheitlich buddhistischen Land eine kleine Minderheit stellen. Auch die Bundesregierung scheint von einer religiös motivierten Tat auszugehen. „Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen“, schreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Kondolenzschreiben an den sri-lankischen Präsidenten Maithripala Sirisena.

          Schon früher ist es in Sri Lanka zu Gewalttaten zwischen den Religionsgruppen gekommen. Der Konflikt zwischen den buddhistischen Singhalesen und den hinduistischen Tamilen brodelt auch zehn Jahre nach Ende des Bürgerkriegs unter der Oberfläche weiter. Einen nationalen Versöhnungsprozess hat es bisher nicht gegeben. Die Rebellengruppe Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hatte für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden des Landes gekämpft. Im Kampf mit den Aufständischen soll es auf beiden Seiten zu Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen gekommen sein. Der Bürgerkrieg hatte im Jahr 2009 nach 26 Jahren mit dem Sieg der Regierungstruppen geendet.

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