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Spionageaffäre : Auch ohne Kälte

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

An der Identität der Spione scheinen keine Zweifel zu bestehen. Der Zeitpunkt, zu dem sie aufgeflogen sind, könnte ungünstiger kaum sein: Der Senat muss den neuen Start-Vertrag zur Reduzierung der Nuklearwaffen ratifizieren. Die Affäre könnte sich zu einer weiteren Belastung auswachsen.

          Es gibt sie nicht mehr, die Kälte, aus der früher die Spione kamen; „Smileys Leute“ werden nicht mehr auf der Glienicker Brücke bei Nacht und Nebel gegen die Agenten ausgetauscht, die sein östlicher Gegenspieler „Karla“ in den Westen eingeschleust hatte. Doch die Spionage, die John le Carré in seinen meisterlichen Romanen aus der Zeit des Kalten Krieges schon als sinnloses, auf sich selbst zentriertes Geschäft beschrieben hatte, existiert weiterhin.

          Vermutlich hat sie sich in den Zeiten „elektronischer Kampfmittel“ sogar ausgebreitet. Das gilt vor allem, worauf der jüngste Bericht des Verfassungsschutzes vor wenigen Tagen ausdrücklich hingewiesen hat, für die Wirtschaftsspionage, also zum Beispiel für das Ausspähen von Industriepatenten oder von innerbetrieblichen Geheimnissen. Da ist ohne weiteres einsichtig, dass es für manche Länder um ein überaus profitables „Geschäftsmodell“ geht.

          Spionage der klassischen Art

          Bei dem für Russland arbeitenden Agentenring, der jetzt in Amerika ausgehoben wurde, scheint es sich dagegen um Spionage der klassischen Art zu handeln. Da wurde versucht, Informationen aus dem Regierungsapparat zu beschaffen, es sollten militärische Geheimnisse ausspioniert und amerikanische Geheimdienste infiltriert werden. Die Täter waren offenbar nicht die immer verdächtigen „Residenten“ an Botschaften oder anderen diplomatischen Vertretungen, sondern unauffällig lebende, überwiegend amerikanische Bürger.

          Die in langen Ermittlungen gesammelten Erkenntnisse scheinen so dicht und gut belegt zu sein, dass keine Zweifel bestehen. Entsprechend aufgeregt sind die russischen Reaktionen: In Moskau wird von einem Komplott gegen Obama gesprochen, mit dem der Neustart der amerikanisch-russischen Beziehungen gestört werden solle.

          Der Zeitpunkt, zu dem die Spione aufgeflogen sind, könnte in der Tat ungünstiger kaum sein. Der Senat in Washington muss den neuen Start-Vertrag zur Reduzierung strategischer Nuklearwaffen ratifizieren, was ohnehin kein politischer Selbstläufer gewesen wäre. Die Spionageaffäre könnte sich zu einer weiteren Belastung auswachsen. Vermutlich wird nun Russland im Gegenzug ein paar amerikanische Diplomaten ausweisen. Die Krise eindämmen könnte allerdings die an Gewissheit grenzende Vermutung, dass in Russland auch eine Menge Leute für die Amerikaner spionieren.

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