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Spionage-Affäre : Größter Agentenaustausch seit dem Kalten Krieg

  • -Aktualisiert am

Die russischen Agenten (hintere Reihe von links): Mikhail Semenko, Anna Chapman, Vicky Pelaez, Juan Lazaro und Patricia Mills. Vordere Reihe von links: Nichael Zottoliare, Tracey Lee Ann Foley, Donald Howard Heathfield, Cynthia und Richard Murphy. Bild: REUTERS

Der größte Agentenaustausch zwischen Amerika und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges ist auf dem Wiener Flughafen zu Ende gebracht worden. Politiker beider Länder lobten die gute Zusammenarbeit. Sie sei „im Geiste der vereinbarten strategischen Partnerschaft“ erfolgt.

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          Russland und die Vereinigten Staaten haben am Freitag auf dem Flughafen von Wien den größten Austausch gefangener Agenten seit Ende des Kalten Krieges vollzogen. Der russische Präsident Medwedjew begnadigte vier in russischen Gefängnissen einsitzende Männer, um sie gegen zehn Ende Juni in Amerika festgenommene Agenten einzutauschen. Er ließ mitteilen, es sei der russischen Seite darum gegangen, den Beziehungen zu Amerika neuen Schwung zu verleihen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am Donnerstagabend bekannten sich die zehn Spione vor einem New Yorker Bundesgericht als schuldig; zuvor hatten sie ihre tatsächlichen Identitäten preisgeben müssen. Vor Gericht äußerten sich die zehn Agenten aber nicht dazu, welche Art von Spionage sie für Russland betrieben haben. Bundesrichterin Ward verurteilte die zehn zu Haftstrafen von lediglich elf Tagen - die sie seit ihrer Festnahme verbüßt hatten. Unmittelbar danach wurden sie mit einem von der amerikanischen Regierung gecharterten Flugzeug der Gesellschaft „Vision Airlines“ von New York nach Wien geflogen.

          In einem Flugzeug des russischen Ministeriums für Katastrophenschutz wurden dorthin auch die von Präsident Medwedjew spät nachts begnadigten Russen Aleksandr Saporoschskij, Sergej Skripal und Sergej Sutjagin gebracht, die wegen Spionage für Amerika vor Jahren zu langen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren.

          Die schöne Spionin: Anna Chapman

          Wien - ein Zentrum vielfältiger Geheimdienstaktivitäten

          An Bord war überdies der ebenfalls begnadigte frühere KGB-Agent und Chef des Sicherheitsdienstes des vom Staat kontrollierten Fernsehsenders NTW, Gennadij Wasilenko. Er war nicht wegen Spionage, sondern wegen unerlaubten Waffenbesitzes und des Baus einer Bombe verurteilt worden; weshalb auch er nun in Wien den Amerikanern übergeben wurde, blieb zunächst unklar. Der Austausch wurde auf dem Flughafen vollzogen, woraufhin beide Flugzeuge die österreichische Hauptstadt wieder verließen. Schon im Kalten Krieg war Wien ein Zentrum vielfältiger Geheimdienstaktivitäten gewesen.

          Die Sprecherin des russischen Präsidenten hatte die Entscheidung Medwedjews damit begründet, dass die vier begnadigten Männer bereits lange in Haft gesessen hätten, dass sie um Begnadigung gebeten hätten und dass die Beziehungen zu Amerika belebt werden sollten. Zumindest von Sutjagin ist jedoch bekannt, dass er durch Drohungen genötigt wurde, sich als schuldig zu bekennen und ein Gnadengesuch an den Präsidenten zu richten.

          Sutjagin war als Militäranalyst am Moskauer „Institut für USA- und Kanada-Studien“ tätig. Er wurde 2004 für schuldig befunden, Informationen über Atom-U-Boote und andere Waffensysteme an eine britische Rüstungsfirma übergeben zu haben, die als Tarnfirma des amerikanischen Geheimdiensts CIA gedient haben soll. Sutjagin beteuerte seine Unschuld, wurde aber zu 15 Jahren Haft verurteilt.

          Aleksandr Saporoschskij, ehemaliger Oberst des russischen Auslandsgeheimdienstes (SWR), wurde 2003 wegen Spionage für Amerika zu 18 Jahren Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, Informationen über verdeckt in Amerika operierende russische Agenten und für Russland arbeitende amerikanische Stellen weitergegeben zu haben. Diese Informationen sollen zu der Verhaftung der Doppelagenten Robert Hanssen und Aldrich Ames geführt haben.

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