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Nach Anschlägen in Barcelona : Spanische Terroristen offenbar international vernetzt

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Von der Bombenwerkstatt in Alcanar sind nur noch Trümmer übrig. Bild: AP

Immer mehr Indizien deuten auf eine internationale Vernetzung der Attentäter von Barcelona hin. In den Trümmern der Bombenwerkstatt in Alcanar fanden Ermittler auch ein Bekennerschreiben.

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          In den Trümmern des Hauses der Terrorzelle in Alcanar wurden mehrere Flugtickets nach Brüssel entdeckt, die auf Beziehungen der Gruppe ins Ausland hindeuten. Diese seien auf den Namen des Imams Abdelbaki Es Satty ausgestellt gewesen, berichten spanische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. Der Imam gilt als ideologischer Anführer der Terrorzelle. Eine Verbindung des Mannes zu den islamistischen Anschlägen von Brüssel vom März 2016, bei denen 32 Menschen starben, sei aber nicht bekannt, hieß es aus Belgien.

          Nach dem Geständnis eines der Terrorverdächtigen vor einem Ermittlungsrichter in Madrid fahndet die Polizei weiterhin nach Mitwissern. Beamte starteten laut Polizeiangaben in der Nacht zu Mittwoch mehrere Razzien, um ein mögliches Unterstützer-Netzwerk der Terrorzelle ausfindig zu machen.

          Die zwei jungen Männer, gegen die der Ermittlungsrichter am Montag einen Haftbefehl erlassen hat, gaben laut Justiz in der Anhörung an, der Imam Abdelbaki Es Satty sei Drahtzieher der  Anschlagspläne gewesen. Es Satty habe sich als Selbstmordattentäter auch selbst in die Luft sprengen wollen. Die beiden anderen Verdächtigen hätten bestritten, den Imam überhaupt zu kennen.

          Anschlagsplan mehrfach gescheitert

          Aus Unterlagen des Madrider Gerichts ist auch ersichtlich, dass die Terrorzelle zunächst einen massiven Bombenanschlag geplant hatte. Im Unterschlupf der Gruppe in Alcanar wurden demnach mindestens 500 Liter Aceton, große Mengen Nägel und Zünder und etliche Gasflaschen gefunden. Aus diesen Materialien lässt sich der Sprengstoff TATP herstellen. Nach der versehentlichen Explosion habe die Gruppe einen alternativen Plan in Kraft gesetzt und einen Autoanschlag anstelle eines Bombenattentats durchgeführt. Die Attentäter hätten einen Renault Kangoo gemietet, mit dem sie den geplanten Anschlag in Barcelona aber zunächst nicht hätten ausführen können, weil sie umgehend in einen Verkehrsunfall verwickelt worden seien. Erst mit dem zweiten gemieteten Fahrzeug, einem Transporter der Marke Fiat, war dann der tödliche Anschlag auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas verübt worden.

          Ein islamistisches Bekennerschreiben

          Ermittler fanden laut Justiz in den Trümmern des Hauses in Alcanar auch ein islamistisch geprägtes Schreiben mit den Worten „Ein kurzer Brief der Soldaten des Islamischen Staates auf dem Gebiet von Al-Andalus an die Kreuzfahrer, die Sünder, die  Unrechten und die Verdorbenen.“ Al-Andalus ist der arabische Name der bis ins 15. Jahrhundert von Muslimen beherrschten Gebiete auf der Iberischen Halbinsel.

          Die Ermittler verfolgten auch Spuren nach Frankreich, Belgien, in die Schweiz und nach Marokko, woher die meisten Mitglieder der Terrorzelle stammten. Spanische Medienberichte, wonach es in Marokko im Zusammenhang mit den Anschlägen Festnahmen gegeben habe, wollten die dortigen Behörden nicht bestätigen. Die Attentate sollen auch Thema eines für Mittwoch geplanten Treffens der Innenminister von Spanien und Frankreich in Paris sein.

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