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Rücktritte in Spanien : Ein General drängelt sich beim Impfen vor

General Miguel Ángel Villarroya, Chef des spanischen Verteidigungsstabs kündigt am 23. Januar seinen Rücktritt an Bild: EPA

In Spanien wollten etliche Politiker und Angehörige der Armeeführung nicht warten, bis sie mit der Corona-Impfung offiziell an der Reihe sind – und ließen sich das Vakzin schon jetzt verabreichen. Die Empörung ist groß.

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          General Miguel Ángel Villarroya wollte nicht warten. Kaum war der Impfstoff verfügbar, ließ sich der Chef des spanischen Verteidigungsstabes impfen, obwohl er mit 63 Jahren noch nicht an der Reihe war. Am Wochenende erklärte der ranghöchste Offizier der Streitkräfte, der zugleich der wichtigste militärische Berater der Regierung ist, seinen Rücktritt. Er tue diesen Schritt mit „ruhigem Gewissen“ und wolle damit verhindern, dass das Ansehen der Armee leide, sagte Villarroya. Im vergangenen Jahr hatte der Chef des Verteidigungsstabes beim Ausbruch der Pandemie die Spanier ermahnt, diszipliniert und opferbereit zu sein. Verteidigungsministerin Margarita Robles nahm sein Gesuch an; es war der erste derartige Rückzug seit 1984.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Neben dem General hatten sich weitere Mitglieder des Generalstabs impfen lassen, während die ersten Lieferungen des Vakzins nicht für das medizinische Militärpersonal reichten, das an der Covid-Front Infizierte identifiziert und betreut. Für sie sowie Armeeangehörige auf Auslandsmissionen hatte die Armee ihre ersten Dosen vorgesehen. In der spanischen Bevölkerung werden bisher vor allem Pflegepersonal und ältere Menschen geimpft. Bis zum Wochenende waren es mehr als 1,1 Millionen von insgesamt gut 47 Millionen Spaniern.

          Gesundheitsminister tritt zurück

          In Spanien wird die Liste der Rücktritte und Entlassungen immer länger. Der Druck auf General Villarroya war gewachsen, nachdem Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Freitag den Verbindungsoffizier der Guardia Civil im Verteidigungsstab mit sofortiger Wirkung entlassen hatte, weil dieser es an Vorbildfunktion habe mangeln lassen. Der Polizeioffizier hatte sich mit den anderen Mitgliedern der Armeeführung die erste Dosis des Impfstoffs injizieren lassen.

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          Das hatten auch mehrere regionale Politiker getan, obwohl sie der Impfplan noch nicht vorgesehen hatte. In Murcia trat der Gesundheitsminister der von der konservativen PP geführten Regionalregierung, Manuel Villegas, zurück. Zusammen mit ihm hatten sich auch seine Ehefrau und seine Mitarbeiter die erste Spritze geben lassen. Auch mehrere sozialistische Politiker wollten nicht warten.

          Die Regierungspartei (PSOE) leitete inzwischen ein Ausschlussverfahren gegen ein Dutzend Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder ein. In der Region Valencia wird erwogen, die zweite Impfdosis den insgesamt mehr als 180 Personen, die sich vorgedrängelt hatten, erst dann zu geben, wenn sie wirklich an der Reihe sind. Dort hatten drei PSOE-Bürgermeister das Protokoll ignoriert und sich den Impfstoff in Altersheimen geben lassen.

          Zu wenig Nadeln zum Impfen

          In Spanien hatte zuvor der heftige Wintereinbruch den ohnehin schleppenden Start der Impfkampagne gebremst. Dazu kommen logistische Probleme in Katalonien, Madrid und Andalusien: Tausende Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer mussten möglicherweise ungenutzt weggeworfen werden. Denn in den drei besonders bevölkerungsreichen Regionen fehlen Nadeln für die Spritzen, die es erlauben, aus einer Ampulle statt fünf sechs Dosen zu ziehen; das hatte die Europäische Arzneimittelagentur vor gut zwei Wochen erlaubt. In Katalonien hat man schon zugegeben, dass nur die sechste Dosis von zwei Dritteln der Fläschchen verwendet worden sei. Die Region hat bisher knapp 170.000 Dosen verabreicht. Das würde bedeuten, dass allein dort gut 10.000 nicht gespritzt wurden.

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