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Spanische Monarchie : Der Elefant ist tot - es lebe der König!

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Szene einer Ehe: Vor dem Besuch der Ostermesse am 8. 4. 2012 in der Kathedrale von Palma de Mallorca Bild: REUTERS

Juan Carlos II. hat Aufsehen mit allerlei Eskapaden erregt und sich rechtzeitig zur goldenen Hochzeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sein Volk hat ihm verziehen und schätzt seine Verdienste.

          Der königliche Großwildjäger ist nach seiner öffentlichen Entschuldigung erst einmal in Deckung gegangen. Juan Carlos I. von Spanien, wegen einer Hüftoperation noch am Stock, hat sich so weit in den Madrider Zarzuela-Palast zurückgezogen, dass an diesem Montag sogar die goldene Hochzeit ausfällt. Fünfzig Jahre nach der Eheschließung des Bourbonen mit der griechischen Prinzessin Sofia in Athen verzichtet das Paar auf jegliche Zurschaustellung familiärer Eintracht: keine Messe, kein Empfang, kein Festbankett. Nahezu wortlos verteilte die Presseabteilung des Königshauses fünfzig Fotos - die meisten aus glücklicheren Tagen.

          Denn für fast niemanden bei Hofe ist die Gegenwart sonderlich glücklich. Die Krone auf dem Haupt des 74 Jahre alten Königs wackelt zwar auch im 37. Jahr seit seiner Thronbesteigung nach dem Tod des Diktators Franco noch nicht. Die afrikanische Eskapade inmitten der spanischen Wirtschaftskrise und das Ende der Verschwörung des Schweigens in den Medien über die Liaisons des Staatsoberhaupts haben jedoch seinem Ruf und dem Ansehen der Institution geschadet.

          Korruptionsvorwürfe gegen den Schwiegersohn

          Schlagzeilen wie „Der König ist nackt“ hat es im diskreten Spanien zuvor nicht gegeben. Auch hatte noch nie ein Politiker, in diesem Fall ein Madrider Sozialist, das Schreckenswort „Abdankung“ in den Mund genommen. Nur von Kommunistenführer Cayo Lara war man es gewohnt, markige Sprüche zu hören wie diesen: „Die Monarchie wird fallen wie eine überreife Frucht.“ Ernst genommen hat ihn freilich niemand.

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          Nun ist aber doch ziemlich viel zusammengekommen. Die Untreue des Königs, ein Bestseller über „Die Einsamkeit der Königin“, der Enkel, der sich in den Fuß schoss. Und dann ist da noch die üble Geschichte mit den Korruptionsvorwürfen gegen den Schwiegersohn Iñaki Urdangarin, die sich gefährlich auszuwachsen droht und den Mann der Infantin Cristina wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder vielleicht sogar hinter Gitter bringen könnte.

          Nachdem sich Urdangarin zunächst vollmundig für unschuldig erklärt und angekündigt hatte, mit allen Mitteln seine Ehre wiederherzustellen, ist er angesichts der Beweislast kleinlaut geworden. Und nachdem auch die Taktik missglückte, dem ehemaligen Sozius Diego Torres die Schuld an dem Abzweigen mehrerer Millionen Euro zu geben, verhandeln jetzt die Anwälte der beiden miteinander und gleichzeitig mit Richter und Staatsanwalt.

          Sieben von zehn Spaniern halten die Monarchie für „positiv“

          Das ist gar kein schöner Anblick. Erst drohte Torres damit, sogar den König mit kompromittierenden Dokumenten in die Affäre hineinzuziehen. Dann bot Urdangarin ein Schuldbekenntnis und die Rückzahlung von 1,7 Millionen Euro als Gegenleistung dafür an, nur zu einer Haftstrafe von höchstens zwei Jahren verurteilt zu werden - und also als Ersttäter nach spanischem Gesetz nicht ins Gefängnis zu müssen. Die Staatsanwaltschaft scheint dazu indes noch nicht bereit zu sein, weil in ihren Augen die Delikte zu „schwerwiegend“ seien.

          Glückstag: Am 14. 5. 1962 heirateten Juan Carlos und Sofia

          Während der Fall des Schwiegersohns wie eine dunkle Wolke über der Königsfamilie hängt, macht der Monarch immer neue Geh- und Transparenzübungen. Sie begannen mit der Offenlegung seines Jahresgehalts von 175.000 Euro netto und dem Verzicht auf zwei Prozent der Jahresapanage von 8,4 Millionen Euro. Damit ist Juan Carlos der mit Abstand preiswerteste Monarch Europas. Das gilt auch für die Krone insgesamt, die jeden Spanier nur rund 18 Cents im Jahr kostet. Daneben wird an Transparenzgesetzen gebastelt, die sicherstellen sollen, dass die Regierung immer genau weiß, ob das Staatsoberhaupt gerade unterwegs ist und wo es sich befindet. Botswana und Elefantensafaris scheiden da vorerst aus.

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