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Spaniens Thronfolger : Felipe, der Mustersohn

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Spaniens König Juan Carlos und seine Frau Sophia, gemeinsam mit Thronfolger Felipe von Borbón und Letizia im August 2013 Bild: Picture-Alliance

Schneller als erwartet wird Prinz Felipe König von Spanien. Was ihm fehlt, sind der Charme seines Vaters, dessen Volkstümlichkeit und Humor. Dafür ist er weder Schürzen- noch Elefantenjäger.

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          Der Mustersohn, der von Temperament und Charakter mehr seiner Mutter als dem Vater gleicht, hat nicht gedrängelt. Diskretion war bei Felipe Juan Pablo Alfonso de Todos los Santos von Bourbon und Griechenland immer Ehrensache. König Juan Carlos hätte etwas anderes auch nicht geduldet. Und Königin Sofía hatte ihn so erzogen.

          Nun rückt der 46 Jahre alte Kronprinz doch schneller an die Stelle seines 76 Jahre alten Vaters, als er es selbst erwartet haben mag. Der Entschluss fiel in Madrid am Wochenende, als Felipe sich bei der Amtseinführung eines neuen lateinamerikanischen Präsidenten gerade einmal wieder in Übersee aufhielt. Als Stellvertreter des gesundheitlich angeschlagenen Monarchen hat er schon beträchtliche Erfahrung und Routine. Zwar vertrat er den Vater nie formal in dessen Dreifachfunktion als König, Staatsoberhaupt und Oberkommandierenden der Streitkräfte. Faktisch aber war der Thronerbe während jeder Operation und Rekonvaleszenz von Juan Carlos bei Staatsakten, Militärparaden und Auslandsreisen als Platzhalter gefordert.

          Seine Eltern selbst haben den fleißigen, bescheidenen und immer anspruchslos einsatzfreudigen Felipe als den „am besten vorbereiteten“ Thronfolger in der Geschichte Spaniens gerühmt. Vom Abitur in Kanada, über die Offiziersausbildung daheim und das Studium der internationalen Beziehungen an der Washingtoner Georgetown-Universität hat er sich tatsächlich gewissenhaft und mit besseren Zensuren als sein Vater präpariert. Was ihm noch fehlt, ist dessen gewinnender Charme, seine Volkstümlichkeit und seinen Sinn für Humor. Auf der anderen Seite mag es Felipe im modernen Spanien zustattenkommen, dass er es an Verführungskünsten nicht mit dem scheidenden Bourbonen aufnehmen kann. Es ist, wie ihm seine Landsleute – und auch seine Ehefrau Letizia – attestieren können, weder ein Schürzen- noch ein Elefantenjäger.

          Keine extravaganten Kapricen

          Der Pflichtbewusste und die geschiedene Bürgerliche an seiner Seite haben gerade mit sparsamem Krisenbewusstsein dezidiert unopulent ihren zehnten Hochzeitstag gefeiert. Die Eltern zweier Töchter – Leonor, die Ältere, wird eines Tages König Felipe nachfolgen – achten ohnehin darauf, keine extravaganten Kapricen zu pflegen. Sie gehen ins Kino, in die Pizzeria und nach Hause zu Freunden. Gleichwohl dürften sie bald aus ihrem kleineren Palast, wo sie von Eichen und Hirschen umgeben sind, in der repräsentativeren Zarzela-Palast des Vaters umziehen.

          Seit zehn Jahren ist Felipe mit Letizia verheiratet, das Paar hat zwei Töchter Bilderstrecke
          Thronfolger : Thronfolger

          War jener als „Retter der Demokratie“ ein anerkannter Meritokrat, so wird Felipe sich noch unter nicht allzu leichten Bedingungen den Thron „verdienen“ müssen. Er ist nach all den Affären, welche dem Ruf der Monarchie erheblich geschadet haben, zwar neben seiner Mutter das populärste Mitglied des Königshauses. Aber der Korruptionsskandal des Schwagers Inaki Urdangarin, der möglicherweise noch ins Gefängnis muss, wird indirekt auch ihm anhängen. Schwierige Zeiten also nach dem neuen „Es lebe der König“.

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