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Aufarbeitung per Gesetz : Wie Spanien zukünftig mit der Franco-Vergangenheit umgehen will

Das „Tal der Gefallenen“ (Valle de los Caidos) am 11. Mai in San Lorenzo de El Escorial Bild: Reuters

Das neue „Gesetz der demokratischen Erinnerung“ soll dem letzten Kult um den Diktator Francisco Franco ein Ende setzen. Doch die Fronten in Spanien sind verhärtet, wenn es um die Wunden der Vergangenheit geht.

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          Die Gedenkmesse vor dem leeren Grab unter der hohen Kuppel zelebrierten wie immer die Benediktinermönche. Danach ging es vom Valle de los Caídos zum Friedhof von Mingurrubio. Dort liegt der spanische Diktator Francisco Franco begraben. Mit dem erhobenen rechten Arm salutierten ihm seine Anhänger. Am vergangenen Sonntag erinnerten sie an den Militärputsch am 18. Juli 1936, der die spanische Republik beendete und dann Franco an die Macht brachte. Mit Blumen, spanischen Flaggen und Heiligenbildern schmückten einige Dutzend Mitglieder der „Katholischen Bewegung Spaniens“ das Gitter des Pantheons der Familie des Diktators.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Im Oktober vor zwei Jahren waren seine sterblichen Überreste aus dem monumentalen „Tal der Gefallenen“ in die private Grabstätte am Rand von Madrid gebracht worden. Seitdem ist nur wenig geschehen. Eigentlich sollte das Parlament schon zu Jahresbeginn das neue „Gesetz der demokratischen Erinnerung“ verabschieden, das dem letzten Kult um den Diktator und sein autoritäres Regime ein Ende setzen soll. Doch das erwies sich als juristisch komplizierter als anfangs gedacht. Erst am Dienstag hat das Kabinett den endgültigen Entwurf gebilligt und ans Parlament weitergeleitet, wo dem Gesetz heftiger Widerstand droht – aus beiden politischen Lagern.

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