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Corona-Strategie in Spanien : Nur noch wie eine Grippe?

Spanier warten nach den Weihnachtsfeiertagen am 27. Dezember vor einem Krankenhaus in Madrid auf ihren Corona-Test. Bild: Reuters

Spanien will nach Omikron nicht mehr jeden einzelnen Corona-Fall überwachen. Schon der neuen Welle ist das Gesundheitssystem nicht mehr gewachsen. Jetzt soll ein Strategiewechsel folgen – hin zur Endemie.

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          Noch im November wurde Spanien als europäisches Vorbild im Kampf gegen die Pandemie gefeiert. Angesichts der hohen Impfquote hielt man sich in Madrid für nahezu immun. Doch dann ließ Omikron alle Dämme brechen und beschleunigt jetzt die Pläne für einen Strategiewechsel; drei Prozent aller Spanier infizierten sich allein in den vergangenen beiden Wochen, die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei knapp 1500. Doch sobald Omikron abgeflaut ist, könnte Covid künftig nur noch wie eine Grippewelle überwacht werden. Spanische Fachleute sind der Ansicht, es sei eine Verschwendung, die engmaschige Überwachung permanent fortzusetzen, während gleichzeitig die Schwere der Erkrankung und die Restriktionen abnehmen.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Man müsse das System „der sich verändernden Krankheit anpassen, um nicht den Rest zum Einsturz zu bringen“, fordert etwa der Sprecher der spanischen Gesellschaft für öffentliche Gesundheit Ildefonso Hernández. Das könnte mit einem Sentinel-Netzwerk geschehen, wie es in Spanien bei der Grippe schon seit mehr als zwanzig Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Ausgewählte Gesundheitszentren, Arztpraxen und Kliniken im ganzen Land melden die entsprechenden Daten, die dann hochgerechnet werden.

          Überfordertes Gesundheitswesen überwachen

          Das könnte beim Coronavirus statt einer kompletten Überwachung dann auch geschehen. Ein System, das auf Stichproben beruht, würde das überforderte Gesundheitswesen und die Labore entlasten. Denn die Corona-Infektionen, die zunehmend milder verlaufen, binden nach Ansicht spanischer Fachleute zu viele Ressourcen, worunter besonders andere, schwerer erkrankte Patienten leiden, die nicht richtig behandelt werden können.

          „Die Situation ist nicht mehr dieselbe wie vor einem Jahr. Wir bewegen uns eher auf eine endemische Krankheit zu. Wir müssen auf diese Situation mit neuen Instrumenten reagieren“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez in einem Interview. Noch liegt kein Zeitplan für eine Umstellung vor, die auch mit den europäischen Partnern koordiniert werden müsste. Durch Omikron ist in Spanien die Komplettüberwachung längst zusammengebrochen. Auch an anderer Stelle scheint man vor der Realität kapituliert zu haben.

          Die Nachverfolgung wurde praktisch aufgegeben, selbst enge Kontaktpersonen werden nicht mehr getestet, wenn sie keine Symptome zeigen. In Aragon, wo die höchsten Inzidenzen registriert werden, stehen PCR-Tests nur noch für Ältere und Schwangere zur Verfügung. In den Apotheken sind die Schnelltests oft ausverkauft. Sie kosten dort bis zu neun Euro. Ein billigeres Angebot in Supermärkten gibt es nicht. Im Herbst hatten spanische Zwischenhändler einen Großteil ihrer Vorräte nach Deutschland und an andere Länder verkauft, weil sie wegen der hohen Impfquote in Spanien keinen Bedarf mehr sahen. Jetzt will die Regierung eingreifen und den Verkaufspreis von Antigentests begrenzen.

          Viele Gesundheitszentren, die erste Anlaufstelle für die meisten Patienten, sind seit Wochen hoffnungslos überlastet. Medizinisches Personal warnt vor einem „Kollaps“. Doch abgesehen von der Wiedereinführung der Maskenpflicht im Freien kam es in Spanien zu Lockerungen. Quarantänepflicht für Infizierte ohne Symptome von zehn auf sieben Tage reduziert. In den Schulen, wo seit Montag wieder der Präsenzunterricht läuft, verzichtet man auf reguläre Tests. Erst wenn in einer Klasse mehr als fünf Schüler infiziert sind, muss der Rest der Klasse in Quarantäne.

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