https://www.faz.net/-gpf-6jxsu

Spanien : Sie sagten Stierkampf und meinten Madrid

  • -Aktualisiert am

Ende der Tortur des Toro: Der Tod der Stiere soll ein Ende haben Bild: dpa

Angeblich aus Gründen des Tierschutzes hat das katalanische Parlament die Corrida verboten - den Stierkampf. Alles deutet aber darauf hin, dass die Abgeordneten mit ihrem Votum vor allem Madrid treffen wollten - um zu demonstrieren, dass Katalonien nicht Spanien ist.

          4 Min.

          Der Tod am Nachmittag starb am Mittwochvormittag im katalanischen Parlament zu Barcelona. Dort votierten 68 Abgeordnete für ein Verbot des Stierkampfs in der Autonomen Region, bei 55 Gegenstimmen und neun Enthaltungen. Noch haben die „aficionados“ eineinhalb Jahre Gnadenfrist, um in der Monumental-Arena der Hauptstadt vielleicht noch einmal José Tomás zu sehen, den furchtlosesten und wagemutigsten aller zeitgenössischen Toreros. Zum 1. Januar 2012 soll Schluss sein mit dem blutigen Spektakel, dem Ernest Hemingway in seinem Essay „Death in the Afternoon“ 1932 ein literarisches Denkmal setzte.

          Wäre es bei der Entscheidung im spanischen Nordosten vorwiegend um den Tierschutz gegangen, dann wären jetzt die Debatten darüber vorwiegend moralischer, philosophischer oder umweltlicher Natur. Er ging aber in Wahrheit darum, „Spanien“ eins auszuwischen - und damit um krude Politik. Die Strategie der Nationalisten, die im Gewand der Ökologie und angewandten Tierliebe daherkam, ist aufgegangen. Nach den Kanarischen Inseln, wo schon seit einigen Jahren, ohne dass es darob größeres Aufsehen gegeben hätte, keine Corridas mehr stattfinden, ist Katalonien nun die zweite Region, die - aus politischem Kalkül - gefolgt ist.

          Die katalanischen Wahlen im Herbst schüren das Feuer

          Seit das spanische Verfassungsgericht vor einigen Wochen der katalanischen „Nation“ eine Absage erteilte und den Begriff in dem neuen Autonomiestatut für „rechtlich bedeutungslos“ erklärte, köchelt es bei den katalanischen Nationalisten. Dass im Herbst in Katalonien gewählt wird und die Parteien sich dafür in Stellung bringen wollen, schürt das Feuer. Das Stierkampfverbot ist daher sowohl eine Retourkutsche nach dem Verdikt der vermeintlichen „Españolistas“ am Madrider Gerichtshof und Vorbote eines sich ankündigenden Wahlkampfs mit starken separatistischen Unterströmungen.

          Spanien : Katalonien verbietet den Stierkampf

          Wer stimmte nun im katalanischen Parlament wofür? Die harten Nationalisten der Partei Esquerra Republicana (ERC) und der grünen Kommunisten (ICV) votierten geschlossen für das Verbot, die konservative Volkspartei (PP) und die liberale Gruppierung Ciutatans geschlossen dagegen. So lag das Resultat in Händen der Abgeordneten der beiden größten Parteien: der mit den Grünen und Esquerra in einer Dreierkoalition regierenden Sozialisten (PSC) und der gemäßigt nationalistischen Convergència i Unió (CiU). Die beiden Fraktionsführungen gaben mit der Begründung, es handle sich hier um einen „Gewissensentscheid“ jedes einzelnen Parlamentariers, die Abstimmung frei. Das führte dazu, dass sich das Gros von CiU für ein Verbot aussprach, während ihre Abgeordneten aus dem Ebrodelta, wo der Stierkampf unverändert populär ist, sich enthielten. Den Ausschlag gab schließlich eine Minderheit der Sozialisten, die weder ihrem Ministerpräsidenten José Montilla, noch den diskreten Empfehlungen der Mutterpartei in Madrid folgten. Sie zeigten ihr katalanistisches Profil und schlossen sich den „antitaurinos“ an.

          Hier geht es weniger um die Fiesta als das „Nationale“

          Weitere Themen

          Bidens Wunschkandidatin zieht zurück

          Erster Rückschlag : Bidens Wunschkandidatin zieht zurück

          Neera Tanden sollte einen einflussreichen Regierungsposten bekommen, doch selbst in der eigenen Partei konnte sie nicht alle Senatoren überzeugen. Um Joe Biden eine Niederlage zu ersparen, verzichtet sie.

          Topmeldungen

          Unser Autor: Cai Tore Philippsen

          F.A.Z.-Newsletter : Wie weit heute gelockert wird

          Deutschland öffnet sich behutsam und der Blick auf die Impfquote offenbart eine gute Nachricht. Was heute sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.