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Migranten in Spanien : Schlimmer als im Gefängnis

Ende einer Odyssee: Migranten in Tarifa nach ihrer Rettung durch die spanische Küstenwache vergangenen Samstag Bild: AFP

Spanien verspricht europäische Solidarität, ist mit der wachsenden Zahl von Migranten jedoch überfordert. Die Lage ist prekär – dabei wollen viele Flüchtlinge gar nicht in dem Land bleiben.

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          Aus dem Norden Marokkos ist Spanien mit dem bloßen Auge zu erkennen. Mehr als 600 Boote machten sich in diesem Jahr schon auf den Weg, diese Entfernung zu überwinden: Allein im Juni kamen knapp 7000 Migranten und Flüchtlinge in Spanien an – mehr als im gesamten Jahr 2015. Doch das gelobte Land entpuppt sich für viele als eine große Enttäuschung. „Es ist schlimmer als im Gefängnis. Eingesperrt wie ein Hund musste ich zwei Monate lang warten, nur weil ich keine gültigen Papiere hatte. Manchmal waren Kakerlaken in meinem Bett“, klagt ein früherer Insasse des spanischen Internierungszentrums in Aluche. „Manche werden fast verrückt. Für diejenigen, die direkt von den Booten hierherkommen, ist es besonders schwer. Sie haben gar nichts von Spanien gesehen. Es gibt Jungs, die hatten nicht einmal Kontakt zu ihrer Familie“, erzählte ein anderer Migrant Ana Bosch und ihren Mitarbeitern. Der Sozialdienst der christlichen Hilfsorganisation „Pueblos Unidos“ besucht regelmäßig die insgesamt acht spanischen „Centros de Internamiento de Extranjeros“ (CIE).

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          „Eigentlich sind das Abschiebezentren, aber immer häufiger landen dort Neuankömmlinge, deren Identität und Status erst einmal geklärt werden müssen“, sagt die Anwältin Ana Bosch. Doch angesichts der stetig zunehmenden Zahlen wissen Behörden und Helfer schon lange nicht mehr, wo sie die Menschen unterbringen sollen, die zum größten Teil aus Afrika kommen. Bis Mitte Juli waren es knapp 17.000 – fast genauso viele wie in Italien, wo die neue rechtspopulistische Regierung damit gedroht hat, niemanden mehr von Schiffen an Land zu lassen.

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