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Spanien Hochinzidenzgebiet : Was die Einstufung für Urlauber bedeutet

Leere: der Magaluf Strand in Mallorca Anfang Juli Bild: Reuters

Das Robert Koch-Institut hat Spanien und die Niederlande zu Hochinzidenzgebieten erklärt. Ungeimpfte müssen nach ihrer Rückkehr mindestens fünf Tage in Selbstisolation.

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          Das Robert Koch-Institut hat am Freitag ganz Spanien zum Hochinzidenzgebiet erklärt. Auch die Niederlande wurden in diese Kategorie eingestuft. Urlauber, die noch nicht vollständig geimpft sind, müssen nach ihrer Heimkehr nach Deutschland mindestens fünf Tage in Quarantäne, bis sie sich „freitesten“ können. Die Einstufung beider Länder wird am Dienstag um 0 Uhr wirksam.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Angesichts des starken Anstiegs der Neuinfektionen hatte das RKI Spanien vor zwei Wochen als Risikogebiet eingestuft, was für Reisende keine größeren Konsequenzen hatte. Doch das Land bekommt weiterhin die neue Welle nicht in Griff, die vor allem unter den jüngeren bisher ungeimpften Spaniern grassiert. Am Donnerstagabend meldete das Gesundheitsministerium eine Sieben-Tage-Inzidenz von 333 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner; in Deutschland sind es derzeit 13,2. Alle wichtigen Urlaubsregionen liegen über dem entsprechenden RKI-Grenzwert von 200 – auch die Kanaren, Andalusien und besonders Katalonien mit einem Wert von 549.

          Die Zahlen steigen, obwohl in Spanien mit 53 Prozent der Bevölkerung mehr Menschen schon über einen kompletten Impfschutz verfügen als in Deutschland. 83 Prozent der Neuinfizierten waren noch nicht geimpft, 11,4 Prozent hatte nur eine Dosis erhalten, 5,5 Prozent beide. Die Impfkampagne hatte dazu beigetragen, dass die Zahl der Covid-19-Patienten und der Corona-Toten bisher nicht so hoch ist wie bei den früheren Wellen. Aber die Krankenhausbelegung steigt in Spanien wieder. In mehr als 13 Prozent der Betten auf Intensivstationen liegen Covid-Patienten, binnen sieben Tagen wurden zudem 78 Corona-Tote gezählt.

          Ohne spürbare Wirkung versuchen einige Regionen mit neuen Restriktionen gegenzusteuern. In Katalonien und der Region Valencia gelten in mehr als 200 besonders betroffenen Orten nächtliche Ausgangssperren. Auf den Balearen sind vom Samstag an von 1 Uhr bis 6 Uhr morgens Treffen zwischen nicht zusammenlebenden Personen in öffentlichen und privaten Räumen verboten. Zu einer Wiedereinführung der generellen Maskenpflicht im Freien konnten sich die spanischen Politiker bisher nicht durchringen.

          Die Einstufung Spaniens als Hochinzidenzgebiet mit einer Sieben-Tage-Inzidenz, die mit 365 Neuinfektionen über dem nationalen Durchschnitt liegt, trifft besonders Mallorca und die Nachbarinseln, wohin die meisten deutschen Urlauber reisen. Das bekamen die Hoteliers schon zu spüren, nachdem Spanien vom RKI vor zwei Wochen zum Risikogebiet erklärt worden waren und die britische Regierung sie von ihrer Liste der sicheren Reisegebiete nahm. Der mallorquinische Hotelverband FEHM meldete am Donnerstag einen Rückgang der Buchungen in Höhe von mehr als 30 Prozent. Geplante Wiedereröffnungen von Hotels würden deshalb verschoben. Derzeit sind mehr als 80 Prozent der Häuser geöffnet, normalerweise sind es in der Hochsaison im Sommer hundert Prozent.

          Die spanische Regierung hatte bisher mindestens 17 Millionen ausländische Gäste während der zweiten Sommersaison in Corona-Zeiten erwartet. Sie sind für die spanische Wirtschaft besonders wichtig, da der Tourismus knapp 13 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Spanier machen zwar schon wieder fleißig Urlaub im eigenen Land, aber sie können die internationalen Touristen nicht ersetzen.

          Nach Ansicht des Deutschen Reiseverbands sind die Folgen einer Quarantäne für Reiserückkehrer gravierend. Sie führe zu „starker Verunsicherung bei den Menschen, die sich gerade im Urlaub befinden oder kurz vor Urlaubsantritt stehen“, äußerte der Verband am Freitag. „Wir müssen weg von der reinen Inzidenzbetrachtung bei der Einstufung von Zielgebieten. Stattdessen muss die tatsächliche Gefährdungslage für Reisende sowie die Belastung des Gesundheitssystems in den Mittelpunkt der Überlegungen gerückt werden“, forderte Verbandspräsident Norbert Fiebig. Nach Angaben des Verbands werden Pauschalreisegäste, die sich derzeit in Spanien befinden, nun von den Veranstaltern über die neue Lage informiert. Sollten Reisende vorzeitig zurückkehren wollen, kümmere sich der Reiseveranstalter um eine entsprechende Flugumbuchung. Das sei jedoch nicht zwingend erforderlich. Später werde auch Kontakt zu denjenigen aufgenommen, die eine Spanien-Reise in den nächsten Tagen geplant haben. Der Reiseverband schätzt, dass momentan etwa 200.000 Pauschalreisende in Spanien sind. Hinzu kommt noch einmal in etwa die gleiche Anzahl Individualreisender, die ihre Reise nicht mit einem Reiseveranstalter gebucht haben.

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