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Spanien : Heiliger Wahlkampf mit dem Segen der Gottesmutter

Reconquista: Der Vorsitzende der Vox-Partei, Santiago Abascal, vor dem Monument des asturischen Herrschers Pelayo. Bild: AFP

Am 28. April stehen in Spanien vorgezogene Parlamentswahlen an. Die konservative Volkspartei PP und die rechtspopulistische Vox-Partei eröffnen ihre Kampagnen mit Prozessionen und Gebeten.

          Am Abend streift Pablo Casado das violette Büßergewand über. Nur auf die spitze Kapuze verzichtet der Vorsitzende der konservativen Volkspartei (PP), bevor er sich in Ávila der Prozession der Studentenbruderschaft des Heiligsten Christus anschließt. Die spanischen Parteien haben vor der Parlamentswahl am 28. April mit einer völlig neuen Herausforderung zu kämpfen. Zum ersten Mal in der Geschichte der spanischen Demokratie fällt der Wahlkampf mit der Semana Santa, der Heiligen Woche, zusammen. Bis zum Ostersonntag säumen die Spanier die Straßen, in denen reuige Kapuzenmänner vorbeiziehen. Der Rest des Landes strömt an die Strände oder macht im Ausland Urlaub. Die PP, die nach zehn Monaten die regierenden Sozialisten ablösen will, hat keine Zeit zu verlieren und marschiert einfach mit. Viele andere Kandidaten folgen Casados Beispiel.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In der mittelalterlichen Stadt Àvila liegt der Wahlkreis des gläubigen Katholiken an der Spitze der PP. Aus der gleichnamigen Provinz nordwestlich von Madrid stammt auch Adolfo Suárez. Vor der Prozession erwies Casado dem ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten seine Reverenz. Vor dessen Statue an der Stadtmauer erweckt der 38 Jahre alte Politiker den Eindruck, als drohe Spanien der Rückfall in totalitäre Zeiten: Nur seine PP könne Spanien vor den „Putschisten, Unabhängigkeitsbefürwortern, Kommunisten und den Erben von Eta“ retten, mit denen der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez paktiere. Casado meint damit die katalanischen Separatisten, die linkspopulistische Podemos-Partei und baskische Politiker, denen er vorwirft, der mittlerweile aufgelösten Terrororganisation Eta nahezustehen.

          Die rechtspopulistische Vox-Partei ist bei der Wahl ihrer Orte und Symbole noch weniger zimperlich. Der Vox-Vorsitzende Santiago Abascal bat mit den Worten „Rette uns, rette Spanien“ um den Segen der Jungfrau von Covadonga. Dafür kletterte er in Asturien die Grotte zum in den Fels gehauene Nationalheiligtum hinauf. Danach verkündete er vor dem Bronzestandbild des asturischen Herrschers Don Pelayo den Beginn seiner „Reconquista“ gegen „Feinde Spaniens“. Die Liste ist lang. Für Vox zählen alle dazu, welche die Einheit der Nation zerstören wollen, einschließlich der „illegitimen“ Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez sowie der Islamisten. Für Vox hat der christliche Herrscher Don Pelayo den Grundstein dafür gelegt, Spanien groß zu machen. Nach der Überlieferung soll der Asturier in der Schlacht von Covadogna im Jahr 722 den ersten Sieg über die vorrückenden muslimischen Mauren errungen haben.

          Von übermütigen Rechtspopulisten

          Vox hat die „Rückeroberung“ Spaniens schon im vergangenen Dezember angekündigt. Damals schafften es die Rechtspopulisten überraschend ins andalusische Regionalparlament. Seitdem trauen sie sich alles zu und fühlen sich durch die Umfragen bestätigt: Das staatliche Meinungsforschungsinstitut CIS sieht Vox bei knapp 12 Prozent der Stimmen und bis zu 37 Mandaten im nationalen Parlament. Die PP dagegen könnte mit weniger als 20 Prozent fast die Hälfte ihrer Abgeordneten verlieren.

          „Wir haben schon gewonnen“, gab Vox-Chef Abascal bekannt, als er auf dem Kolumbus-Platz in Madrid den Wahlkampf eröffnete. Wie er selbst scheue seine Partei nicht davor zurück, „die Wahrheit auszusprechen“ und bringe damit alle anderen Parteien in Zugzwang. „Vorwärts, Spanier, fürchtet niemanden und nichts“, rief er vor der steinernen Statue von Blas de Lezo. Als Admiral war er der Schrecken der Freibeuter und der britischen Kriegsmarine; gegen sie verteidigte er in Kolumbien die spanische Stadt Cartagena. Über Abascals Kopf ragte das Holzbein auf – so lautet auch der Spitzname des Generals, der in seinen Schlachten ein Bein, einen Arm und ein Auge verlor. Man werde sich niemals dafür entschuldigen, was die Vorfahren getan haben, denn sie seien die wirklichen Vorbilder, gelobte Santiago Abascal, bevor er am Sockel des Denkmals das erste Wahlplakat mit dem Slogan „Für Spanien“ anbrachte.

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