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Spanien : Einwanderungsland Nummer eins

  • -Aktualisiert am

Auf nach Europa: Die spanische Botschaft in Ecuador Bild:

In Spanien wird am 14. März ein neues Parlament gewählt - und indirekt auch ein neuer Regierungschef, da Premier Aznar nicht mehr antritt. Ein Thema im Wahlkampf ist die Einwanderungspolitik.

          6 Min.

          Noch werden die 42 Millionen Spanier, wenn sie am 14. März zur Wahl gehen, bei ihrer Entscheidung weitgehend unter sich sein. Sollten ihre niedrige Geburtenrate und die hohe legale und illegale Einwanderung aber so fortdauern, dann bestünde binnen zehn Jahren schon mehr als ein Viertel der Bevölkerung aus Ausländern - mit allen entsprechenden politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Konsequenzen.

          Die Immigration ist zwar von den spanischen Politikern bislang nicht zu einem der wichtigsten Wahlkampfthemen gemacht worden. Sie ist aber dennoch die "Nummer fünf" auf der Sorgenliste der Wähler: nach der Arbeitslosigkeit, dem Eta-Terrorismus, der Kriminalität und der Wohnungssuche. Inzwischen glaubt mehr als die Hälfte der Spanier, daß es in ihrem Land schon zu viele Ausländer gebe.

          Einer von vier Migranten

          Als die europäischen Statistiker zum Jahreswechsel ihre neueste Bilanz vorlegten, gab es für die Spanier eine Überraschung. Spanien, so ermittelte Eurostat, ist im Jahr 2003 zum ersten Mal als bevorzugtes Einwanderungsland in der Europäischen Union an die Spitze gerückt, und zwar vor Deutschland. Einer von vier Einwanderern (23 Prozent) in der EU kam nach Spanien. Auf Italien entfielen 21 Prozent, auf Deutschland 16 und auf Großbritannien 10 Prozent. Im Jahr 2002 lag Deutschland noch mit einem Anteil von 22,4 Prozent knapp vor Spanien (22,1). Für die EU mit ihren derzeit 380 Millionen Einwohnern war die Einwanderung im Vorjahr die Hauptquelle der allgemeinen Bevölkerungszunahme. Von den 1,3 Millionen "Neubürgern" war fast eine Million aus dem nichteuropäischen Ausland eingewandert.

          Längst sind die Zeiten vorbei, als Menschen von der Iberischen Halbinsel auf der Arbeitssuche nach Nordeuropa gingen. Die meisten Spanier und Portugiesen, die in den sechziger Jahren nach Frankreich, Deutschland und anderswohin emigriert waren, sind zurückgekehrt, in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund eine Million. Auch ist Spanien nicht mehr, wie in den siebziger Jahren, das wichtigste Auswanderungsland für Portugiesen. Die größte Einwanderergruppe von außerhalb der EU stellen schon seit den neunziger Jahren die Lateinamerikaner, ihnen folgen Afrikaner, vorwiegend aus Marokko, Osteuropäer und neuerdings auch immer mehr Asiaten (insbesondere Chinesen und Inder). In Spanien führen die Rumänen die neuen europäischen Immigrationslisten an, in Portugal die Ukrainer (noch vor den Schwarzafrikanern aus den ehemaligen Kolonien).

          Überdurchschnittlicher Arbeitswille

          Die jüngste Analyse des immer stürmischeren Drangs nach Spanien haben jetzt Wissenschaftler im Auftrag einer Stiftung der Sparkassen vorgelegt. Danach werde bei andauernder Tendenz die Zahl der Ausländer von gegenwärtig gut zweieinhalb Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2010 und dann auf nahezu zwölf Millionen im Jahr 2015 steigen. Diese Zahl schließt die zu erwartenden Kinder der Neuankömmlinge und schon ansässigen Ausländer ein. Sollte Spanien nach dieser Rechnung im Jahr 2015 tatsächlich bei über 43 Millionen Einwohnern einen Anteil von fast zwölf Millionen Ausländern haben, so entspräche letzteres schon mehr als einem Viertel (27 Prozent), dem Vierfachen des gegenwärtigen Standes.

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