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Spanien lockert Ausgangssperre : Schichtweise in die Sonne

Das erste Mal Joggen seit sieben Wochen: Ein Mann am 2. Mai in der spanischen Hauptstadt Madrid Bild: AFP

Nach sieben Wochen dürfen in Spanien zum ersten Mal wieder Erwachsene spazieren gehen und im Freien Sport treiben – mit einem strengen Zeitplan und nur in der Nähe ihrer Wohnung.

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          Als der Zeitungshändler am frühen Morgen seinen Kiosk an der Madrider Goya-Straße öffnete, wusste er nicht, wie im geschah. Seit März kommen an seinem Stand an der Einkaufsstraße im Zentrum von Madrid nur noch wenige Kunden vorbei. „Es war verrückt. Auf einmal war wieder alles voller Menschen“, sagt er verwundert und zufrieden zugleich. Denn nach ihrem ersten Spaziergang nach sieben Wochen kauften sich viele von ihnen auf dem Rückweg eine Zeitung fürs Frühstück.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Seit Samstag um sechs Uhr morgens dürfen auch erwachsene Spanier wieder ihre Häuser verlassen, um spazieren zu gehen oder Sport zu treiben. Zu Tausenden füllten sie am Samstag die Straßen der spanischen Hauptstadt: Viele von ihnen in Sportkleidung zum Joggen, Walken oder Fahrradfahren.

          Ein erster kleiner Schritt

          Am vergangenen Sonntag durften die Kinder als Erste wieder an die frische Luft. Die Erwachsenen mussten 48 Tage lang auf ihre neue Freiheit warten. Bisher durften sie ihre Häuser nur für Einkäufe und Arztbesuche verlassen.

          Doch die Lockerung vom Samstag ist nur ein erster kleiner Schritt auf dem Weg zurück zur „neuen Normalität“, die die Regierung erst Ende Juni zu erreichen hofft. Der zurückgewonnene Freiraum reicht nicht weit: Maximal einen Kilometer dürfen sich die Spanier von ihren Wohnungen entfernen. Apps helfen dabei, die Entfernung korrekt zu kalkulieren. Einige haben schon ausgerechnet, dass man trotzdem eine Runde von fast 6,3 Kilometern laufen könnte – wenn es man es schaffte, einen perfekten Kreis zu laufen.

          Hubschrauber kreisten seit dem Morgen über Madrid, die Polizei griff ein, als Sportler Absperrungen an den Grünanlagen am Manzanares-Fluss ignorierten. Über Lautsprecher forderten Polizisten im Zentrum dazu auf, auf dem Bürgersteig zu bleiben und Abstand zu halten, obwohl auf den Boulevards kaum Autos fuhren.

          Parks in Madrid weiter geschlossen

          Anders als in Barcelona und anderen spanischen Städten sind in Madrid die Parks weiterhin geschlossen. Viel Zeit blieb den Spaziergängern und Sportlern am Morgen auch nicht. Trotz des Sommerwetters mussten sie um zehn Uhr nach Hause zurückkehren. Die Regierung hat den Bürgern einen rigiden Zeitplan verordnet, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten: Von 10 Uhr bis 12 Uhr und noch einmal von 19 bis 20 Uhr sind die Straßen den Senioren vorbehalten, die älter sind als 70 Jahre.

          Dazwischen dürfen die Kinder zum Spielen ins Freie. Dann folgt ein weiterer Schichtwechsel: Von 20 bis 23 Uhr haben dann noch einmal die Erwachsenen die Gelegenheit, frische Luft zu schöpfen.

          Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte jedoch am Samstag keine Zeit, um Joggen zu gehen, wie er bei einer Pressekonferenz am Nachmittag sagte. Seine Regierung habe alle Hände voll zu tun, um die „Phase Null“ des Stufenplans für die Lockerung der Ausgangsbeschränkungen vorzubereiten. Dann dürfen Friseure wieder öffnen und Restaurants, die Gerichte zum Abholen anbieten.

          „Heute möchte ich eine Botschaft der Hoffnung übermitteln. Die Krankheit wird in Spanien kontrolliert“, sagte Sánchez, um sogleich deutlich zu machen, dass das Virus noch lange nicht besiegt sei: Am Samstag stieg die Zahl der Corona-Toten um 276 auf mehr als 25.000.

          So gilt in Spanien von Montag an im öffentlichen Nahverkehr die Maskenpflicht. In der kommenden Woche will der Regierungschef den Alarmzustand zum vierten Mal verlängern, der der Regierung jederzeit die Möglichkeit gibt, die neuen Freiheiten wieder zurückzunehmen.

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