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Spanferkel statt Corona : Bolsonaro interessiert Brasiliens dritte Welle nicht

Ein Friedhof mit COVID-19-Toten im brasilianischen Manaus Bild: AFP

In Brasilien ist bereits eine Viertelmillion Bürger im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Präsident Jair Bolsonaro wirkt trotzdem zufrieden – und lässt es sich während eines Banketts so richtig gutgehen.

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          Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro verbrachte Anfang der Woche einen gemütlichen Nachmittag. Eine Viertelmillion Brasilianer, war gerade vermeldet worden, hat aufgrund des Coronavirus nun ihr Leben verloren – und Bolsonaro hatte einige Politiker eingeladen, um ein deftiges Bankett zu genießen. Der Präsident habe ausgelassen und fröhlich gewirkt, sagten die Anwesenden. Die Pandemie war wohl nur am Rande ein Thema. Höhepunkt des Banketts war ein Spanferkel, das einer der geladenen Abgeordneten zubereitete.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Während es sich Bolsonaro und seine Gäste gutgehen ließen, steuerte das Land auf einen anderen Höhe-, aber eigentlich Tiefpunkt zu. Am Dienstag etwa zählte das Land 1726 Tote infolge einer Infektion mit dem Virus binnen eines Tages. Es war die höchste Zahl seit dem Ausbruch der Pandemie. Der Wochendurchschnitt wurde zum vierten Mal in Folge übertroffen. Seit 42 Tagen liegt die tägliche Opferzahl in Brasilien bei mehr als 1000.

          Gouverneure gehen auf Konfrontation

          Weitere Höchstwerte dürften folgen, Fachleute sprechen von der kritischsten Situation während der Pandemie. Grund zur Sorge bereitet vor allem die Auslastung der Intensivbetten, die in neun der 26 Bundesstaaten sowie im Bundesdistrikt auf mehr als 90 Prozent angestiegen ist. Zahlreiche Krankenhäuser des Landes können keine weiteren Corona-Patienten mehr aufnehmen, einige müssen in andere Bundesstaaten gebracht werden. Das renommierte Institut Fiocruz hob in einem Bericht hervor, dass sich zum ersten Mal in der Pandemie landesweit eine deutliche Zuspitzung verschiedener Indikatoren beobachten lasse.

          Die Situation begann sich schon nach den Festtagen zu verschärfen, vielerorts hatte Brasilien auf Einschränkungen verzichtet. Auch an den Feiertagen über Karneval verbreitete sich das Virus, trotz abgesagter Festivitäten. Unklar ist, welchen Einfluss die aus Amazonien stammende und leicht übertragbare Virusmutante P.1 auf die nun steigenden Fallzahlen hat. Anders als beispielsweise in Großbritannien ist es den brasilianischen Behörden mangels personeller Mittel nicht möglich, die Verbreitung der Mutante zu verfolgen.

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          Drei Prozent der Bevölkerung geimpft

          Inzwischen sind mehr als sieben Millionen Brasilianer geimpft. Das entspricht aber erst etwa drei Prozent der Bevölkerung. Obwohl zwei der Impfstoffe – Coronavac aus China sowie der Impfstoff von Astra-Zeneca aus Großbritannien – in Brasilien selbst produziert werden, kommt die Impfkampagne nicht schnell genug voran, um die neue Welle aufzuhalten. Fachleute sehen dramatische Wochen auf das Land zukommen. Bolsonaro zeigt sich indes unbeeindruckt. Die Regierung mache ihren Job, indem sie den Bundesstaaten finanzielle Mittel zur Verfügung stelle, sagte er kürzlich.

          Schon zu Beginn der Pandemie kam es zu einem offen ausgetragenen Konflikt zwischen Bolsonaro und der Mehrzahl der Gouverneure, die sich gegen seinen Willen für schärfere Restriktionen eingesetzt hatten. Die Gouverneure, die sich nun schon seit fast 300 Tagen nicht mehr mit Bolsonaro getroffen haben, erachten neue Lockdowns angesichts der Krise für unausweichlich.

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