https://www.faz.net/-gpf-ah2ev

Afghanistan-Sondergesandter : Khalilzad legt seinen Posten nieder

  • -Aktualisiert am

Zalmay Khalilzad bei einer Pressekonferenz am 8. Februar 2019 in Washington. Bild: dpa

Zalmay Khalilzad war einer der wenigen Regierungsvertreter, die Joe Biden aus der Trump-Ära übernommen hatte. Jetzt ist er von seinem Amt zurückgetreten. Kritiker warfen ihm vor, den Taliban gegenüber nicht hart genug gewesen zu sein.

          2 Min.

          Nach dem chaotischen Abzug der amerikanischen Truppen vom Hindukusch hat der Sonderbeauftragte für Afghanistan Zalmay Khalilzad am Dienstag seinen Posten niedergelegt. Das teilte Außenminister Antony Blinken in Washington mit. „Ich danke Botschafter Khalilzad für seine jahrzehntelangen Dienste für das amerikanische Volk“, äußerte er am Montagabend. Neuer Sonderbeauftragter soll der bisherige Stellvertreter Thomas West werden. Khalilzad, einer der wenigen Regierungsvertreter, die Präsident Joe Biden aus der Trump-Ära übernommen hatte, war zuletzt dafür kritisiert worden, in den Verhandlungen in Doha nicht ausreichend Druck auf die Taliban ausgeübt zu haben, ein Friedensabkommen mit der Regierung Aschraf Ghanis zu schließen.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Ursprünglich hatte Khalilzad geplant, schon im Mai seinen Posten aufzugeben. Biden, der seinerzeit angekündigt hatte, den Abzug bis September dieses Jahres zu vollziehen, hatte ihn aber gebeten, weiterzumachen. Der schnelle Vormarsch der Taliban, die im August in Kabul einmarschierten, während die Amerikaner und ihre Verbündeten unter chaotischen Bedingungen ihre Landsleute vom Flughafen in Kabul aus außer Landes brachten, hatte Washington vollkommen überrascht. Im Kongress wurde die Regierung für das Debakel von Mitgliedern beider Parteien scharf kritisiert. Mehrere Republikaner forderten Blinken, aber auch Verteidigungsminister Lloyd Austin und Mark Milley, den Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, dazu auf, zurückzutreten.

          Khalilzad handelte Abkommen mit den Taliban aus

          Khalilzad war im September 2018 vom damaligen Präsidenten Donald Trump zum Sonderbeauftragten ernannt worden. Später übertrug Außenminister Mike Pompeo ihm die Aufgabe, mit den Taliban zu verhandeln. Im Februar 2020 gelang es ihm, ein Abkommen zwischen Washington und den Taliban auszuhandeln; allerdings war die Regierung in Kabul nicht an den Verhandlungen beteiligt worden. In seinem Rücktrittsschreiben äußerte Khalilzad nun, die folgenden Gespräche zwischen den Taliban und Kabul seien nicht wie geplant verlaufen. Die Gründe dafür seien „komplex“, er werde sich in naher Zukunft dazu äußern. In einem Interview hatte er schon im September gesagt, die große Fehlkalkulation der früheren Regierung in Kabul sei der Glaube gewesen, dass Washington nicht abziehen werde.

          Der 70 Jahre alte Khalilzad, der als Kind paschtunischer Eltern in Mazar-i-Sharif geboren wurde und in Kabul aufwuchs, kam als Austauschschüler in die Vereinigten Staaten. Später wurde der Politikwissenschaftler in Chicago promoviert. Er diente Zbigniew Brzezinski, dem Nationalen Sicherheitsberater Jimmy Carters, nach dem Einmarsch der Sowjets in Afghanistan 1979 als Berater und half, den Widerstand der Mudschahedin zu organisieren. Unter Ronald Reagan wechselte er in gleicher Mission ins State Department. Nach dem 11. September 2001 half er Präsident George W. Bush beim Sturz des Taliban-Regimes. Er diente als Botschafter in Kabul, in Bagdad und bei den Vereinten Nationen.

          Weitere Themen

          Lage auf den Salomonen beruhigt sich leicht Video-Seite öffnen

          Nach tagelangen Unruhen : Lage auf den Salomonen beruhigt sich leicht

          Im Pazifikstaat Salomonen hat sich die Lage in der Hauptstadt Honiara am Samstag etwas beruhigt. Tankstellen, Geschäfte und andere Einrichtungen öffneten wieder, die Lage blieb aber angespannt. Zuvor entwickelte sich ein kleiner Protest zu gewalttätigen Ausschreitungen.

          Topmeldungen

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes im November 2021.

          Corona-Liveblog : Steinmeier ruft zu Kontaktbeschränkungen auf

          +++ Omikron-Verdachtsfall in Österreich +++ Israel schließt wegen Omikron Grenzen für Ausländer +++ Zehntausende demonstrieren in Österreich +++ Zwei Omikron-Fälle in München bestätigt +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.
          Cem Özdemir auf dem Online-Parteitag der Grünen im Mai 2021

          Cem Özdemir und die Partei : Grüne Kämpfe, grüne Ziele

          Bei den Grünen ist der Aufstand der Parteilinken gegen den Ultrarealo Cem Özdemir verpufft. Glück gehabt. Denn wenn die Partei in der Ampel fürs Klima kämpfen will, muss sie geschlossen sein.

          Kliniken bereiten Triage vor : An den Grenzen der Medizin

          Die Infektionszahlen schießen in die Höhe. Immer mehr Krankenhäuser müssen auf die Triage zurückgreifen. Etwas, das Ärzte eigentlich nur aus Kriegseinsätzen und der Katastrophenmedizin kennen. Aber was bedeutet das genau?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.