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Somalia : Wilde Gefechte, gestohlene Milliarden

  • -Aktualisiert am

Die Menschen in Somalia kommen nicht zur Ruhe Bild: AP

Seit somalische Truppen mit äthiopischer Hilfe die Islamisten aus der Hauptstadt Mogadischu vertreiben konnten, fliegt hier jede Nacht irgendetwas in die Luft. Punkt acht Uhr abends sind die ersten Detonationen zu hören. Aus Mogadischu berichtet Thomas Scheen.

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          Seit mehr als fünfzig Tagen geht das nun schon so. Seit die Truppen der somalischen Übergangsregierung zusammen mit der äthiopischen Armee die als extremistisch geltenden Islamisten aus der Hauptstadt Mogadischu vertreiben konnten, fliegt nahezu jede Nacht irgendwo in Mogadischu etwas in die Luft. Mal wird der Hafen mit Granatwerfern unter Beschuss genommen, dann der internationale Flughafen der Stadt. In der nächsten Nacht sind es Stellungen der somalischen Regierungstruppen oder die Kasernen der äthiopischen Soldaten, die mit Panzerfäusten angegriffen werden.

          Man kann beinahe die Uhr danach stellen. Punkt acht Uhr abends sind die ersten Detonationen zu hören. Es folgt wildes Maschinengewehrfeuer mit Leuchtspurmunition, das den Himmel in ein gespenstisch rotes Licht taucht. Die Toten, die es dabei regelmäßig zu beklagen gibt, sind fast ausnahmslos Zivilisten, weil die Regierungstruppen - darunter nicht wenige Kinder - ebenso schlecht ausgebildet wie nervös sind und im Zweifelsfall mit Kanonen auf Spatzen schießen. 48 Angriffe in 51 Tagen. Und es werden immer mehr.

          Bezahlt werden die Polizisten nicht

          „Popcorn“ nennt der neue Polizeichef von Mogadischu, Colonel Ali Said Shirhassan, das nächtliche Bomben und lacht schallend über seinen misslungenen Witz. Shirhassan ist ausgesprochen jung für diesen Job, keine 40 Jahre alt, und schon deshalb muss er sich zuversichtlich geben. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Theoretisch befehligt er 3000 Polizisten, die in der 1,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt für Ordnung sorgen sollen. Doch nur 1200 davon haben ein Gewehr und eine Uniform. Bezahlt werden die Beamten auch nicht.

          Während einer Demonstration in Mogadischu

          Der Polizeichef sagt, die Angriffe gingen nicht allein auf das Konto der Islamisten, die nach ihrer militärischen Niederlage einen Guerrillakrieg angekündigt hatten. „Das sind Islamisten, Banditen und vermutlich der ein oder andere Warlord, der sich wieder ins Gespräch bringen will“, glaubt Shirhassan. Richtig daran ist, dass die Islamisten bei ihrem Rückzug noch schnell ihre Waffen und die vollen Munitionslager unter die Leute brachten, was dazu führte, dass in Mogadischu heute mehr Waffen zirkulieren als in den Jahren zuvor.

          „Wir brauchen noch 14 Tage, dann haben wir alles unter Kontrolle“, gibt sich der Polizeichef siegessicher. Dabei gibt es Stadtviertel, in die sich weder die Polizei noch die Regierungstruppen hineintrauen. „Wir könnten uns den Weg in die heiklen Viertel freischießen, aber das wollen wir nicht“, sagt Shirhassan. „Wir müssen Vertrauen aufbauen.“

          „Ob einer etwas kann, spielt keine Rolle“

          Vertrauen ist in diesen Tagen ein vielbemühter Begriff in Mogadischu. „Die Übergangsregierung unter Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed will, dass wir ihren guten Absichten Glauben schenken“, sagt Ahmed Abdisalem Adan, der Programmdirektor des Fernseh- und Rundfunksenders „Horn Afrik“ und einer der prominentesten Journalisten des Landes. Doch wer einmal lüge, dem glaube man nicht mehr.

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