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Somalia : Shaabab kündigt Guerillakrieg an

  • -Aktualisiert am

Die somalische Hafenstadt Kismayo am Freitag Bild: AFP

Die radikale islamistische Shabaab-Miliz hat sich nach dem Angriff kenianischer Streitkräfte aus ihrer letzten Bastion, der somalischen Hafenstadt Kismayo, zurückgezogen. Die Miliz will sich künftig auf die „Guerilla-Taktik“ verlegen.

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          Die radikale islamistische Shabaab-Miliz in Somalia hat sich nach dem Großangriff kenianischer Streitkräfte am Wochenende aus der Hafenstadt Kismayo zurückgezogen. Ein Sprecher der mit Al Qaida verbündeten Extremisten bezeichnete den Rückzug als „taktische Neuaufstellung“ und kündigte an, die Miliz werde sich künftig auf eine „Guerilla-Taktik“ verlegen. Wohin Al Shabaab ausgewichen ist, ist unklar.

          Das zu der Eingreiftruppe der afrikanischen Union für Somalia, Amisom, gehörende kenianische Kontingent hatte Kismayo am Freitag von Land und von See aus angegriffen. Mehrere hundert Soldaten waren unterstützt von Kampfhubschraubern von Landungsbooten am Strand von Kismayo abgesetzt worden. Nach kenianischen Informationen sollen bei den folgenden Kämpfen auch zwei Shabaab-Kommandeure getötet worden sein. Über eigene Verluste wurden von kenianischer Seite zunächst keine Angaben gemacht.

          Nach telefonischen Berichten von Bewohnern Kismayos kam es nach dem Abzug der Shabaab-Kämpfer in der Stadt zu Racheakten, bei denen in mindestens vier Fällen bekannte Shabaab-Sympathisanten auf offener Straße gelyncht worden sein sollen. Bislang sind die Amisom-Soldaten aus Sorge vor Sprengfallen noch nicht in das Stadtzentrum vorgedrungen, sie waren am Wochenende damit beschäftigt, ihre Stellungen an den Ortszufahrten auszubauen.

          Der Fall von Kismayo ist die dritte große militärische Niederlage von Al Shabaab innerhalb von zwölf Monaten. Im August vergangenen Jahres waren die radikalen Islamisten von der Amisom-Truppe aus Mogadischu vertrieben worden, vor Monatsfrist wurde die südlich der Hauptstadt gelegene Hafenstadt Marca von der afrikanischen Eingreiftruppe zurückerobert. Der Fall von Kismayo ist auch deshalb von entscheidender Bedeutung, weil die Stadt das Handelszentrum der Islamisten war.

          Über den Hafen bezog die Shabaab-Miliz nicht nur Waffen und Munition aus Eritrea und Iran, sondern exportierte auch Vieh und große Mengen an Holzkohle. Die jährlichen Einnahmen aus diesen Geschäften werden auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Ohne diese Einkommensquellen dürfte es Al Shabaab schwerfallen, ihre weniger religiös sondern vielmehr finanziell motivierten Kämpfer bei der Stange zu halten. In den Außenbezirken von Mogadischu hatten sich zu Beginn vergangener Woche mehr als 200 ehemalige Shabaab-Kämpfer der Amisom-Truppe ergeben.

          Al Shabaab droht mit weiteren Bombenanschlägen

          Al Shabaab drohte am Wochenende mit weiteren Bombenanschlägen auf die Repräsentanten der neuen somalischen Regierung unter Präsident Hassan Sheikh Mohamud und alle anderen „Feinde des Islam“. Zwei Tage nach der Amtseinführung von Sheick Mohamud hatten drei Selbstmordattentäter versucht, ihn zu töten. Am vergangenen Samstag waren in Mogadischu abermals zwei Journalisten erschossen worden, womit die Zahl der ermordeten Pressevertreter seit Jahresbeginn auf 15 stieg. Zudem kam es am Sonntag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu einem Granatenangriff auf eine Kirche, bei dem mindestens ein Kind getötet wurde und zahlreiche weitere verletzt wurden. In der Folge griff ein Mob Mitglieder der somalischen Gemeinschaft im Stadtteil Pangani an. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. An der Grenze zu Somalia nahm die kenianische Polizei ebenfalls am Sonntag acht Somalier fest, die Waffen und Sprengstoff mit sich führten.

          Kenia hatte sich aus dem seit 2007 tobenden Kampf zwischen den radikalen Islamisten und der somalischen Übergangsregierung mit Rücksicht auf die große Gruppe von gebürtigen Somaliern im eigenen Land stets herausgehalten. Im vergangen Jahr aber war es im Grenzgebiet zu Somalia immer wieder zu Überfällen und Geiselnahmen unter anderen von Europäern gekommen, woraufhin die kenianische Armee im Oktober nach Somalia einmarschiert war. Wenige Monate später wurden die Kenianer offiziell in die Amisom-Truppen integriert, womit sie die finanzielle Last der Militäraktion an die Europäische Union weitergeben konnten, die die afrikanische Eingreiftruppe weitgehend finanziert. Gegenwärtig zählt die Amisom 17.000 Soldaten aus Kenia, Uganda und Burundi.

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