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Somalia : Massaker in Mogadischu

  • -Aktualisiert am

Auf offener Straße liegen die Leichen getöteter äthiopischer Soldaten Bild: dpa

In Somalias Hauptstadt herrscht ein brutaler Krieg. Binnen vier Tagen sollen dort mehr als tausend Menschen getötet worden sein. An den brutalen Kämpfen ist wohl auch Al Qaida beteiligt. F.A.Z.-Afrika-Korrespondent Thomas Scheen berichtet.

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          Die Szene erinnerte an „Black Hawk Down“, den Film über das katastrophale Ende des Engagements der amerikanischen Armee in Somalia 1993. Damals schossen somalische Freischärler zwei amerikanische Hubschrauber (“Black Hawk“) ab, als die Amerikaner versucht hatten, den Warlord Mohammed Farah Aidid festzunehmen.

          Diesmal war es ein äthiopischer Kampfhubschrauber, der mit einer Panzerfaust vom Himmel über Mogadischu geholt wurde. Und wie damals die Leichen der amerikanischen Piloten zerrte ein aufgebrachter Mob in der vergangenen Woche die Leichen äthiopischer Soldaten durch die Straßen, um sie schließlich in Brand zu setzen. Die Amerikaner verloren 18 Soldaten an diesem 3. Oktober 1993 im Häuserkampf. Die äthiopischen Verluste von jetzt sind hingegen wohl ein Vielfaches davon.

          Islamisten, Clan-Kämpfer oder Freelance-Gunmen?

          Seit die äthiopische Armee vor vierzehn Tagen eine Offensive mit dem Ziel startete, die in der Stadt verbliebenen Islamisten „auszumerzen“, herrscht Krieg in Mogadischu. Es sollen die schlimmsten Gefechte seit dem Zusammenbruch jeder staatlichen Ordnung vor 16 Jahren sein, erzählen diejenigen, die dem Inferno entkommen konnten. Das will in der gefährlichsten Stadt der Welt, in denen skrupellose Warlords über Jahre den Ton angaben, wirklich etwas heißen.

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          In den Straßen stehen sich seither äthiopische Soldaten und somalische Kämpfer gegenüber, von denen keiner so genau weiß, ob es sich um Islamisten, Clan-Kämpfer oder Freelance-Gunmen handelt, die man mieten kann wie anderswo ein Auto. Die Äthiopier schießen mit allem, was sie haben: Mörser, Panzer, Kampfhubschrauber, Haubitzen. Einige Stadtteile im Norden von Mogadischu sollen dem Erdboden gleichgemacht worden sein.

          Mehr als tausend Tote

          Ein Sprecher des dominierenden Hawije-Klans sprach am Dienstag von 1086 Toten und gab die Zahl der Verletzten mit 4334 an. Zudem seien 1,4 Millionen der 2,4 Millionen Einwohner in den Gefechten Ende März geflohen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR meldete zuletzt 124.000 Vertriebene. Lokale Hilfsorganisationen hatten schon zuvor von Hunderten Toten berichte, wobei diese Zahl nur jene Leichen umfasse, die auf offener Straße zu sehen seien.

          Anführer der Hawiye und Vertreter der äthiopischen Armee wollten am Dienstag in Mogadischu ihre Gespräche über eine Stabilisierung der Waffenruhe wieder aufnehmen, die seit mehreren Tagen weitgehend eingehalten wird. Zwar hatten die Konfliktparteien vor Wochenfrist einen Waffenstillstand vereinbart und versprochen, sich nicht länger gegenseitig zu provozieren. Doch das Abkommen wird wohl nur so lange halten, wie beide Seiten brauchen, um sich neu zu organisieren.

          Dabei sind die beiden Krankenhäuser der Stadt dem Ansturm der verletzten Zivilisten längst nicht mehr gewachsen. Auch die äthiopische Armee scheint mit der Zahl ihrer Verletzten mittlerweile überfordert zu sein. In der vergangenen Woche stürmten Soldaten eines der Krankenhäuser, traten die Tür zur Ambulanz ein und nahmen so viel Verbandszeug und Desinfektionsmittel mit, wie sie tragen konnten. Den Äthiopiern droht ein ähnliches Fiasko wie damals den Amerikanern.

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